10.03.2015
green benefit Nachhaltigkeit Plus

„Eine Siemens werden Sie bei uns nicht finden“

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Kürzlich startete mit dem green benefit Nachhaltigkeit Plus ein Mischfonds mit nachhaltiger Ausrichtung. Was Investoren erwarten können, erklärt der verantwortliche Fundadvisor Manfred Wiegel, Vorstand und Gründer der green benefit AG. Von Nico Popp

Finanzmonitor: Herr Wiegel, Sie sind kürzlich mit einem nachhaltig konzipierten Mischfonds gestartet. An wen richtet sich Ihr Produkt?

Manfred Wiegel: Wir verfolgen mit unserem green benefit Nachhaltigkeit Plus das Ziel, unseren Kunden eine vermögensverwaltende Anlagelösung mit der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit zu bieten. Viele Kunden interessieren sich für das Thema und die Branche wächst weltweit sehr stark. Nachhaltigkeit ist ein Megatrend. Unser Management-Team hat sich im Bereich der nachhaltigen Investments in den vergangenen Jahren bereits einen Namen gemacht.

Finanzmonitor: Wie erklären Sie sich die im Vergleich mit Produkten wie dem Carmignac Patrimoine oder dem Ethna Aktiv E geringen Korrelationen zum Gesamtmarkt?

Wiegel:  Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt mich seit mehr als zehn Jahren. Dabei fiel immer wieder auf, dass die Korrelationen zum Gesamtmarkt denkbar gering sind. Das ist für unser Produkt natürlich auch ein interessanter Mehrwert. Ich habe zuvor einige Jahre den Parium Sustainability Fund verwaltet. Dessen Track Record zeigt die Vorzüge nachhaltiger Investments. Den Grund für diese Abkopplung von den Gesamtmärkten sehen wir vor allem darin, dass der Nachhaltigkeits-Sektor ein Eigenleben führt. Während die Aktienmärkte stark vom Konsum beeinflusst werden, spielt bei einigen nachhaltigen Unternehmen des Auslands beispielsweise die Investitionsstrategie eine bedeutende Rolle – so etwa in China. China ist wie  viele aufstrebende Volkswirtschaften in Asien dazu gezwungen, nachhaltig zu wirtschaften. Insbesondere die Bekämpfung  der Luftverschmutzung in China hat die Politik dort veranlasst,  für ein Umfeld zu sorgen, in dem die nachhaltigen Unternehmen stetig wachsen können.

Finanzmonitor: Das Herz eines jeden flexiblen Mischfonds ist die Asset Allokation. Wie steuern Sie Umschichtungen zwischen den einzelnen Anlageklassen?

Wiegel: Wir können zwischen null und einhundert Prozent in Aktien investieren und darüber hinaus auch Anleihen und Cash halten. Derzeit sind wir zur Hälfte in Aktien investiert und setzen darüber hinaus auf Cash. Wir werden die Asset Allokation sehr aktiv steuern. Neben hohen Aktienquoten ist es auch möglich, das gesamte Portfolio mittels Derivaten abzusichern. Es ist unser Prinzip, uns nicht festzulegen. Daher haben wir uns keine starren Regeln auferlegt. Maßgeblich für Veränderungen der Quoten sind für uns politische Entscheidungen und Trends und nicht etwa Konjunkturdaten. Werden Solarunternehmen oder auch Hersteller von LEDs gefördert und entsteht dadurch Nachfrage, ist das für uns ein Grund, die Aktienquote zu erhöhen. Es sind die konkreten Fakten auf Branchen- und Unternehmensebene,  die für uns zählen. Durch unseren Fokus auf die besten Unternehmen der jeweiligen Branchen können wir das sehr gut beurteilen. 

Finanzmonitor: Sie wollen kollektiv vernachlässigte Werte aufspüren. Geht das in diesem Marktumfeld überhaupt noch?

Wiegel: Das Marktumfeld ist für die Unternehmen aus unserem Zieluniversum nicht so wichtig. Darüber hinaus verfolgen wir weder einen reinen Value- noch einen reinen Growth-Ansatz. Unsere Blend-Strategie nimmt Unternehmen ins Visier, die dynamisch wachsen, aber dennoch niedrig bewertet sind. Wir haben einige Titel im Depot, die mit einem KGV von fünf oder sechs glänzen und dennoch Weltmarktführer sind. Nichtsdestotrotz gibt es immer auch Entwicklungen, die bei bestimmten Themen zu hohen Bewertungen führen. Aus diesem Grund sind wir auch fest davon überzeugt, dass der aktive Ansatz bei nachhaltigen Investments  der richtige ist. Ein passiver Index ist nicht flexibel genug. Wir glauben auch, dass Investoren ein Unternehmen aus dem Sektor ganz genau analysieren müssen, um auch wirklich die besten Gesellschaften herauszufiltern. All dies leistet nur ein aktiver Ansatz.

Finanzmonitor: Viele Anleger haben beim Thema Nachhaltigkeit noch immer den Aufstieg und Fall der deutschen Solarindustrie im Kopf. Sie sprechen von Weltmarktführern mit einem KGV von 5. Wie passt das zusammen, wie hat sich die Branche verändert?

Wiegel: Es hat sich sehr viel verändert! Zur Verdeutlichung: Es gibt 400 Unternehmen im Solarsektor – wir konzentrieren uns auf die zehn größten der Welt. Lediglich diese Tier 1-Unternehmen bieten sowohl von ihrer finanziellen Ausstattung als auch von ihrer Marktstellung her die nötige Sicherheit für Investments. Die Erfahrungen vieler Anleger sind eng mit den Entwicklungen in Europa verknüpft. Viele gute Unternehmen sind heute aber in China und auch in den USA beheimatet.

Finanzmonitor: Ihre Ausschlusskriterien für Investments sind neben Kinderarbeit, Agrar-Gentechnik, Atomenergie und Rüstung solche Unternehmen, die ihren Geschäftsschwerpunkt im Bereich der fossilen Brennstoffe haben. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Investmentziele diesbezüglich wirklich sauber sind?

Wiegel: Wir meiden Mischkonzerne. Wenn man in ein Unternehmen investiert, das ausschließlich LED-Lampen produziert, fällt die Bewertung leicht. Nicht nur aus diesem Grund setzen wir auf diese sogenannten Pure Plays. Anders als bei Mischkonzernen lassen sich diese Unternehmen auch leichter bewerten. Eine Siemens, die in irgendeiner Sparte auch Geschäfte macht, die mit unseren Kriterien kollidieren können, werden Sie bei uns nicht finden.

Finanzmonitor: Und was ist mit Fragen der Social Responsibility? Beispielsweise den Bedingungen für Angestellte?

Wiegel: Wir haben mittlerweile ein gut funktionierendes Netzwerk und bekommen auch über solche Kriterien ständig Informationen. Immer mehr Analysten lassen auch diese Kriterien in ihre Arbeit einfließen.

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