21.04.2015
Johannes Hirsch, antea ag

Ausweg für das Anlagedilemma?

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Es könnte mehr sein: Eine Rendite von weniger als 0,2 Prozent ist nicht nur nicht attraktiv, sondern führt abzüglich der Inflation und Steuern zu einem realen Vermögensverlust. Doch was ist für konservative Anleger die sichere Alternative zu Bundesanleihen?

Eine Rendite von 0,2 Prozent — insbesondere, wenn diese Rendite für zehn Jahre festgeschrieben ist und davon auch noch Steuern und Inflation abgezogen werden — ist unattraktiv. Bei kürzeren Laufzeiten sieht es noch schlimmer aus: Bis hin zu sieben Jahren sind die Renditen gar negativ. Somit hat nun wirklich auch der allerletzte Anleger mitbekommen, dass Bundesanleihen real zu einem Vermögensverlust führen. Entsprechend meidet er sie sofern irgend möglich. 

Ein möglicher Ausweg: Ein Ausweichen auf schlechtere Bonitäten oder der Wechsel in Währungen minderer Qualität kann als Beimischung kurzfristig Mehrwert bringen, löst jedoch nicht das Problem des Gesamtportfolios. Viele Anleger parken deshalb auch substantielle Anteile ihres Vermögens und warten. Aber worauf? Wesentlich höhere Zinsen (also Steigerungen um mindestens zwei Prozentpunkte) sind nicht möglich, da viele Staaten dann Haushaltsprobleme bekämen. 

Häufig werden deshalb Aktien empfohlen. Deren Bewertung befindet sich zwar am oberen Ende des historisch erlebten Rahmens, aber immerhin noch innerhalb dessen. Da Anleihen dies nicht tun, sind Aktien vergleichsweise attraktiv. Dies gilt insbesondere, wenn die Gewinne der Unternehmen konjunkturbedingt noch steigen sollten (aber Achtung, das bedarf weiter einer begleitenden Geldpolitik). Die seit über sechs Jahren laufende Hausse gilt als eine der am meisten gehassten der Börsengeschichte, weil viele Anleger sie verpasst haben. Sollen sie nun das Versäumte nachholen?

Viele deutsche Anleger sind statt in Aktien in Immobilien eingestiegen. Dies führte in einigen Bereichen zu Bewertungen, die zwar im Einklang mit den Zinsen stehen, genau deshalb im historischen Vergleich jedoch sehr ambitionierte Niveaus erreicht haben. Ganz bestimmt ist zwischen hoch bewerteten Wohn- und vergleichsweise niedrig bewerteten Gewerbeimmobilien sowie zwischen einigen nachgefragten Großstädten und den übrigen Landesteilen zu unterscheiden. 

Gold ist im Vergleich zu Papierwährungen nicht beliebig vermehrbar, was im Umfeld einer weiterhin lockeren Geldpolitik für Chancen spricht. Aber war das in den beiden vergangenen Jahren nicht genauso? Wie erklärt sich dann der dortige Crash? Und warum sollte es nun anders sein? 

Eine bessere Konjunktur führt üblicherweise zu einer höheren Nachfrage nach Rohstoffen. Nun hatten wir zuletzt bestimmt keinen Boom, dennoch erklärt dies nicht den Abwärtstrend von mehr als vier Jahren. Schlägt hier die Stunde der Antizykliker?

Private Equity war vor zehn Jahren ein richtig großes Thema. Warum sollen bei den bestehenden Niedrigzinsen und einer sich bessernden Konjunktur nicht auch Neuengagements gute Aussichten bieten? Dann bliebe lediglich die Hürde des Umsetzens.

Sicherlich sind bei Waldinvestments genauso wie bei Absolute Return unterschiedliche Einzelfälle zu unterscheiden. Kann man sich da nicht die Mühe machen, nach den guten Möglichkeiten zu suchen?

Die gewählten Formulierungen zu den jeweiligen Anlageklassen verdeutlichen das Fehlen eindeutiger Einschätzungen. Immerhin gibt es jedoch überhaupt Chancen, wodurch sich die genannten Anlageklassen bereits positiv von Bundesanleihen und Parkmöglichkeiten unterscheiden.

Wenn die jeweiligen Wertentwicklungen der Anlageklassen dann noch von unterschiedlichen Einflussfaktoren bestimmt werden und zudem das Chancen-Management durch renommierte Experten erfolgt, nähern wir uns den Grundgedanken des Anlagekonzepts der Yale-Universität. Und dieses erreichte in den letzten rund 25 Jahren im Schnitt zweistellige Renditen bei einem einzigen Verlustjahr. Zwar kann der Anleger hier nicht direkt investieren, der Mix nicht korrelierender Anlageklassen in der Hand guter Manager ist aber möglich.   

Er ist auch aussichtsreich. Zumindest, bis die Zinsen wieder ein attraktive Niveau haben. Dafür müssten in vielen Staaten deren Steuereinnahmen jedoch aufgrund der eingangs erwähnten Haushaltslage schon sehr deutlich steigen.

Zu diesem Zweck die Steuersätze zu erhöhen entfällt als Möglichkeit, die Konjunktur würde wieder abgewürgt. Es bleiben eine bessere Konjunktur oder eine höhere Inflation. Interessanterweise sind auch bei diesen beiden Varianten die erläuterten Alternativen gegenüber Bundesanleihen und Parkmöglichkeiten aussichtsreicher.

Johannes Hirsch ist Vorstand bei der antea ag, die als Aussteller auf der funds excellence am 23. Juni 2015 vertreten ist. Mehr Informationen unter www.fundsexcellence.de.

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