08.04.2015
Ufuk Boydak, Loys AG

Multi-Asset Strategien: Ist die Performance der Vergangenheit heute noch möglich?

Multi-Asset-Fonds sind derzeit die Lieblinge der sicherheitsorientierten Anleger. Während es für Tagesgeld und Anleihen keine Rendite mehr gibt, versprechen Multi-Asset Strategien bei wenig Risiko ein attraktives Einkommen.

Auf den ersten Blick spricht die blendende Performance der Vergangenheit auch für die Gattung Multi-Asset-Fonds. Doch viele Fallstricke und Risiken lassen sich aus einem einfachen Chart nicht herauslesen. Ein genaues Verständnis hinsichtlich der Strategien und Performance-Quellen ist für jeden Anleger notwendig.

Positive Wirkung von Multi-Asset Strategien ist fraglich

In der Vergangenheit profitierten Multi-Asset-Fonds vor allem von sinkenden Zinsen, welche eine positive Kursentwicklung bonitätsstarker Staatsanleihen mit sich brachte. Insbesondere bei schlechtlaufenden Aktienmärkten wurde der Zins von der Zentralbank massiv gesenkt und die Kursgewinne bei Anleihen konnten Aktienkursverluste ausgleichen. Bei einem guten Aktienmarkt, wurden die Zinsen wieder angehoben und die Kursverluste bei Anleihen dämpften die Aktienkursgewinne. Das Ergebnis war eine relativ gute Performance zu allen Marktphasen. Ob dieser Zusammenhang heute noch möglich ist, ist fraglich.
 
Da Aktienmärkte historisch schon gut gelaufen sind, würden Multi-Asset-Fonds in einem Szenario von steigenden Zinsen doppelt getroffen. Auf der einen Seite würden Anleihekurse fallen und gleichzeitig ist davon auszugehen, dass in einem solchen Fall auch Aktien korrigieren, wie es früher der Fall war.
 
Bleibt das Szenario weiter fallender Zinsen. Dies wäre wahrscheinlich, wenn es erneut massive Rezessionsängste geben würde. In der Folge sollten Anleihekurse nochmals steigen. Ob das Ergebnis unterm Strich positiv ausfällt ist jedoch mehr als fraglich. Das viele Geld zeigt heute kaum noch Wirkung auf die Realwirtschaft, sodass eine Bekämpfung einer möglichen Rezession mit mehr billigen Geld keine Lösung darstellt. Die Aktienkurse würden massiv fallen.
 
Die Marktfaktoren, die die Strategie von Multi-Asset-Fonds begründet und stabilisiert haben, sind aufgrund der Niedrigzinsphase vorüber. Niedrige Kupons und eine zum Teil höhere Korrelation von Aktien- und Rentenpapieren führen dazu, dass Anleger heute mit klassischen Multi-Asset-Strategien ein wesentlich höheres Risiko tragen, als ein Blick in die Vergangenheit vermuten lässt. Klassische Multi-Asset-Strategien aus festverzinslichen Anlagen und Aktien sind nicht mehr ausreichend für alle Marktphasen diversifiziert.

Eine gute Alternative: Diversifizierung über Leerverkäufe

Der überzeugendere Weg für sicherheitsorientierte Anleger sind Konzepte, die keinen long-only Ansatz folgen. Long-only Portfolios haben das Problem, dass ihr Diversifikationsansatz nicht immer greift. So kam es in der Zinswende 1994 in Portfolios mit einer Mischung aus 70% Anleihen und 30% Aktien zum Teil zu zweistelligen Wertverlusten. Ein Multi-Asset-Fonds würde unweigerlich in einer solchen Situation für den Anleger überraschende Verluste produzieren. Dies bedeute sicherheitsorientierte Anleger sollte Fonds bevorzugen, die nicht ausschließlich mit dem gesamten Anlegergeld Wertpapiere kaufen, sondern gleichzeitig einen Teil des Portfolios leerverkaufen. Hat ein Fonds geeignete Absicherungsmaßnahmen implementiert, werden breitegestreute Marktrücksetzer über viele Anlageklassen weniger ins Gewicht fallen und der sicherheitsorientierte Anleger kann sich einer weniger risikobehafteten Rendite erfreuen.
 
Entscheidet man sich zwischen einem Multi-Asset- und einem Long/Short-Fonds, ist es wichtig auf die Gebühren zu achten. Multi-Asset-Fonds sind aufgrund der Managergebühren für die Allokation und der Fondsgebühren der enthaltenden Fonds teuer. Vor allem bei langen Anlagezeiträumen drücken hohe Gebühren stark auf die Rendite. Eine Direktanlage in einen guten Long/Short-Aktienfonds ist dem vorzuziehen.

 Ufuk Boydak ist Fondsmanager und Mitglied des Vorstands bei der Loys AG, die als Aussteller auf der funds excellence am 23. Juni 2015 vertreten ist.

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