19.05.2015
Richard Zellmann, First Private

Risikoschutz in vermögensverwaltenden Portfolios: Von der Begegnung mit Notenbanken und Schwarzen Schwänen

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Nichts verändert schlagartiger die Gemüter und Portfolios von Investoren, als über Nacht eintretende, scheinbar unvorhersehbare Börsenkrisen, sogenannte externe Schocks. Konservative, robuste Multi-Asset-Portfolios müssen einen effektiven, permanenten Schutzmechanismus gegen solche Eventualitäten vorhalten. Die jüngste Korrektur an den Anleihemärkten sollte ein Weckruf gewesen sein.

Rubel, Euro, Peso, Sub-Prime, Neuer Markt oder LTCM. Dies sind nur einige der Begriffe, die sich in das Gedächtnis so mancher Investoren eingebrannt haben, weil sie das Portfolio überraschend, teilweise über Nacht vor völlig neue und lang andauernde Herausforderungen gestellt haben. Nicht nur deshalb sollte erstes Ziel bei der konservativen Vermögensanlage nicht die Renditesuche sein, sondern vielmehr der Aufbau eines tragfähigen Risikonetzes.

„Jede Krise ist anders“ – so lautet eine gerne zitierte Formel mit Blick auf den Umgang mit Finanzmarktkrisen. Daraus wird geschlossen, dass sich gegen künftige Crash-Szenarien kaum eine effektive Absicherung finden lasse. Die Frage, wie man sein Portfolio effektiv gegen solche seltenen Tiefschläge wappnet, beherrscht spätestens seit der letzten Finanzkrise die Produktentwicklung in der Vermögensverwaltung. Die Andersartigkeit diverser Krisenphänomene stellt das Risikomanagement scheinbar vor unlösbare Herausforderungen. Die aktuelle russische Rubel-Krise hat ebenso wenig mit der Euro-Finanzkrise gemein wie die mexikanische „Tequila“-Krise mit der Asien-Krise in den neunziger Jahren. Nicht nur die Intensität und die Dauer einer Krise unterscheiden sich, sondern vor allem die Ursachen.

Effektives Sicherheitsnetz setzt bei typischen Krisensymptomen an

Für unabsehbare Krisen, im Fachjargon auch als Schwarze Schwäne bezeichnet, sollte also ein effektives Absicherungsportfolio zusammengestellt werden, das permanent Teil des jeweiligen Fonds ist. Doch wie, wenn jede Krise anders ist? Die Meinungsbildung im Umfeld einer Krise beschäftigt sich naturgemäß mit allen Details dieser Entwicklung. Doch anders als bei der medizinischen Behandlung von Krankheiten sollten sich Investoren weniger mit Ursachenforschung, sondern vor allem mit Symptomen und Nebenwirkungen der Krise beschäftigen, um ein effektives Risikomanagement aufzubauen. Denn jede Krise hat zwar ein anderes Gesicht, Symptome und Nebenwirkungen sind indessen oftmals vergleichbar. Und genau das ist ein nützlicher Ansatzpunkt für effektives Risikomanagement. Einige Beispiele: Large Caps schneiden in Krisenphasen oftmals besser ab als Small Caps, zyklische Rohstoffe schlechter als Edelmetalle oder Währungen solider Staaten meist besser als hoch verschuldeter Länder. Aus diesen und anderen Erkenntnissen lässt sich über den Einsatz passender Long- oder Short-Positionen ein Krisenportfolio aufbauen.

Multi-Asset: Begrenzung von Zinsrisiken ist Pflicht

Neben solchen schockartig auftretenden externen Ereignissen sollten Risiken adressiert werden, die zwar besser prognostizierbar sind, aber ähnlich massive Auswirkungen auf das Portfolio haben können: In einer Zeit, in der die Zinsmärkte historisch geringe Kupons abwerfen und andererseits eine Zinswende nicht auszuschließen ist, muss gerade dieses Thema konsequent behandelt werden. Es mag zwar möglich sein, auch auf den aktuellen Zinsniveaus noch mit dem taktischen Wechsel zwischen langer und kurzer Duration bei Rentenanlagen einen Mehrwert zu erzielen. Dies bedeutet allerdings, dass das Portfolio phasenweise ungeschützt ins Zinsmesser läuft und ein solch verheerendes Risiko für den Anleger sollte permanent vermieden werden. Schon die jüngste, heftige Korrektur an den Anleihemärkten dürfte manchem Anleger Schmerzen bereitet haben.

Der allgemeine Schutz vor Risiken kostet in den meisten Phasen Geld, und das Meiden von Zinsrisiken bedeutet zwangsläufig die Aufgabe von Kurspotenzialen in diesem Bereich. Auf die Performance der Rentenmärkte teilweise verzichten zu müssen, wäre aber nur dann problematisch, wenn  ansonsten keine Ideen und Prozesse zur Renditegenerierung zur Verfügung stünden. Der „Luxus der Risikobegrenzung“ muss daher mit Alpha kompensiert werden. 

Richard Zellmann ist Geschäftsführer der First Private Investment Management KAG mbH, die als Aussteller auf der funds excellence am 23. Juni 2015 vertreten ist. Mehr Informationen unter www.fundsexcellence.de. 

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