06.05.2015
Gerrit Braith, Direktor der Metzler FundServices GmbH

Vermögensverwaltung als Lösung für Niedrigzinsumfeld und Regulierung

Umfeld und Rahmenbedingungen für Beratung und Vermittlung von Kapitalanlagen im Allgemeinen – und für Fonds und Wertpapiere im Speziellen – haben sich in den vergangenen zwei Jahren weiter massiv verändert. Dabei spielen neue und zu erwartende gesetzliche Vorgaben aus MiFID II, der Finanzanlagenvermittlungsverordnung oder anderen Vorgaben eine ebenso große Rolle wie das Niedrigzinsumfeld und die Entwicklungen an den Kapitalmärkten.

Die zugelassenen Institute und Vermögensverwalter sind ebenso davon betroffen wie unabhängige Fondsvermittler nach Paragraph 34f der Gewerbeordnung. Es wird für den unabhängigen Fondsvermittler immer anspruchsvoller, einen Anleger nach den gesetzlichen Vorgaben zu beraten.

Die Lösung dafür scheint die Renaissance der Vermögensverwaltung zu sein. War Ende der 1990er-Jahre vor dem Hintergrund der New Economy noch die Allokation über einzelne Länder, Regionen und vor allem Branchen der vielversprechendste Investmentansatz, kamen danach unterschiedliche Ansätze vermögensverwaltender Produkte auf den Markt. Dazu zählten Absolute- und Total-Return-Produkte. Nachfolgend riefen viele eigene Dachfonds ins Leben. Es setzten sich somit in der Branche übergeordnete Trends durch. Mit darauf basierenden individuellen Produkten wurde dann um die Gunst der Anleger geworben. Seit einigen Jahren zeichnet sich ein Trend ab: Unter dem Begriff „vermögensverwaltende Lösung“ werden Produkte vertrieben, die hoffen lassen, dass Anleger, Berater und Vermittler nicht eines Morgens stark verkatert erwachen werden. Diese vermögensverwaltenden Produkte erreichen (wieder) sehr gute Absatzzahlen – sowohl in der freien Vermittlung und Beratung als auch bei Banken und Versicherungen.

Da heute nicht mehr allein die Ergebnisse ausschlaggebend sind, sondern die neue Regulierung der Beratung und Vermittlung zusätzlich Schärfe ins Spiel bringt, wird der Blick hinter die Kulissen umso wichtiger. Und zwar in erster Linie für diejenigen, die den direkten Kontakt zum Anleger haben, also Finanzanlagenvermittler, Vermögensverwalter und Bankangestellte. Vermögensverwaltung ist eben nicht gleich Vermögensverwaltung. Zudem haben wir durch das aktuelle Niedrigzinsumfeld eine außergewöhnliche Situation. War früher die Vermögensverwaltung primär durch Diversifikation bestimmt, so wird dies mittelfristig nicht mehr ausreichen, um positive Erträge zu erzielen. Es muss folglich das Konzept hinter dem Konzept Vermögensverwaltung erkannt und bewertet werden. Handelt es sich um eine Mischform von Asset-Klassen mit festen Quoten oder einen Multi-Asset-Ansatz? Und wenn ja, um welche Asset-Klassen handelt es sich? Stehen Dividenden und Ausschüttungen im Vordergrund oder gibt es sonstige Restriktionen im Ansatz? Wie wird das Timing von Investitionen gesteuert und welches Risikomanagement kommt zum Einsatz? 

Neben dem Managementansatz spielt heute auch die Form eine wesentlich entscheidendere Rolle. Empfiehlt der Berater oder Vermittler seine Lösung in Form eines Einzelfonds, etwa in Form eines vermögensverwaltenden Investmentfonds, oder führt er den Anleger einer standardisierten Vermögensverwaltung zu? Der Berater oder Vermittler erbringt im ersten Fall eine Anlagevermittlung und gegebenenfalls eine Anlageberatung – entweder im Rahmen des § 34f GewO als freier Finanzanlagenvermittler oder als Angestellter bzw. vertraglich gebundener Vermittler eines zugelassenen Instituts (Haftungsdach oder Bank). Anders im zweiten Fall – denn bei der Zuführung eines Anlegers zu einer Vermögensverwaltung handelt es sich eben nicht um die Vermittlung eines Finanzinstruments. Dieser Unterschied ist essenziell für die komplette Pflege der Kundenbeziehung und insbesondere auch für eventuelle Haftungsfragen.

Tatsache ist, dass die unterschiedlichen vermögensverwaltenden Lösungen für die Vermittler und Berater inhaltlich und formal nicht dasselbe sind. Vermögensverwaltende Lösungen können folglich ideal für das aktuelle Niedrigzinsumfeld und die Vorgaben aus der Regulierung sein – aber eben nicht zwangsläufig. Daher ist eine gründliche Prüfung der verschiedenen Angebote und Anbieter unumgänglich, damit nicht die Katze im Sack gekauft wird.

Gerrit Braith, Direktor der Metzler FundServices GmbH, die als Aussteller auf der funds excellence am 23. Juni 2015 vertreten ist. Mehr Informationen unter www.fundsexcellence.de. 

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