Gerade in der Osterzeit setzen wir uns verstärkt mit dem Thema Ethik und Werten auseinander. Das gilt auch in der Geldanlage. Schon lange spielt hier Nachhaltigkeit eine große Rolle. Ökologisch korrekt, sozial verträglich und ethisch sollen Anlagen sein. Vor allem die Ethik-Frage wird dabei unterschiedlich ausgelegt, abhängig etwa von religiöser oder konfessioneller Bindung.

Nachhaltigkeit wird auf drei große Bereiche bezogen. Den ökologischen, den sozialen und den ethischen Bereich. Der Nachhaltigkeitsaspekt der Ökologie bezeichnet den Umweltschutz, die Verbesserung der Umwelt beziehungsweise das Vermeiden von Schäden an der Umwelt, durch beispielsweise Ablehnung der Atomwirtschaft. Die soziale Komponente beschreibt die Achtung der Arbeits- und Menschenrechte, festgelegt etwa durch die ILO, die Internationale Arbeitsorganisation. Die ethische Komponente ist schwieriger zu fassen, da sie die beiden anderen teilweise beinhaltet. Hier kommen aber zusätzlich Fragestellungen wie der Umgang mit Rüstungsfirmen oder Alkoholherstellern.

Viele Investoren setzten in den vergangenen Jahren bereits auf nachhaltige Anlagen. Sie wollen bewusst steuern, wo ihr Geld einfließt. Nachhaltige Geldanlagen gibt es zwar schon länger, doch besonders in den letzen Jahren wurden diese zunehmen beliebter. Insbesondere durch die Finanzkrise werden von den Banken neue Ansätze und Verbesserungen gefordert. Nachhaltige Investments sind ohne Performance-Einbußen möglich, was dem sich wandelnden Lebensstil und Bewusstsein der Menschen nur entgegenkommt. Das sogenannte nachhaltige Banking trägt dem Rechnung und zeichnet sich durch streng festgelegte Ausschluss-, sowie Negativ- und Positivkriterien aus.

Banken wie die GLS Bank, die Steyler Bank, die Evangelische Bank und auch die KT Bank, der größte Vertreter des „islamic banking“ in Deutschland sind alles Finanzinstitute, die unter dem Namen der Nachhaltigkeit laufen. Sie haben das klassische Dreieck der Geldanlage aus Sicherheit, Liquidität und Rendite übernommen und um die Dimension der Ethik beziehungsweise Nachhaltigkeit ergänzt.

Doch worin liegen die Unterschiede zwischen den einzelnen Institutionen? Bei jeglichen Investitionen und der Zusammenarbeit mit anderen Ländern oder Staaten gilt für die Banken die Einhaltung der Menschen- und Arbeitsrechte als auch die Beachtung der ökologischen Nachhaltigkeit. Ethische Gesichtspunkte werden jedoch immer unterschiedlich aufgefasst und dargestellt.

Die Kuwaitisch-Türkische Beteiligungsbank AG, KT Bank AG, eröffnete 2015 ihre ersten Filialen in Deutschland und betreibt Scharia-konformes Banking. Somit gilt zum Beispiel ein absolutes Zinsverbot. Stattdessen wird oft ein Finanzierungsaufschlag genutzt, der bei Geldgeschäften den herkömmlichen Zins ersetzt. Auch sind Spekulation und alles, was dem Glücksspiel ähnelt oder gleichkommt, verboten. Zudem sind Investitionen in unethische Geschäfte wie die Rüstungsindustrie, den Drogenhandel, die Alkohol- oder Tabakindustrie, Pornografie und Prostitution sowie die Verarbeitung und der Handel mit Schweinefleisch streng untersagt. Vor allem das Zinsverbot ist eine Besonderheit der islamisch geprägten Banken.

Zinsverbot nur beim islamic banking

Die anderen nachhaltigen Banken hingegen machen Zinsgeschäfte. Dabei galt auch für Christen in der Geschichte einmal ein Zinsverbot. Es wurde seit Beginn des 16. Jahrhunderts immer weiter gelockert. 1830 hob schließlich auch die katholische Kirche das Zinsverbot auf.

Die kirchennahen Banken nutzen also Zinsgeschäfte ganz selbstverständlich, etwa Evangelische Bank. Dafür gelten andere Regeln, die die Geschäftstätigkeit in ethisch passende Rahmen zwängen. Und auch wenn es noch einige Unterschiede und Ausnahmen im Vergleich zum islamkonformen Bankwesen gibt sind sich die religiös geprägten Banken doch ähnlicher als man denkt.

Die evangelische Bank etwa benutzt individuelle Ausschlusskriterien bei der Auswahl von Geldanlagen. So lehnt sie Unternehmen ab, die Tabakwaren und Rüstungsgüter herstellen oder „kontroverse Formen des Glücksspiels“ betreiben. Von einem Ausschluss eines bestimmten Unternehmens wird allerdings abgesehen, sofern der umstrittene Bereich einen Anteil von maximal zehn Prozent am Umsatz des gesamten Unternehmens hat. Bei Spirituosen hingegen tritt das Ausschlusskriterium erst ab 15 Volumenprozent in Kraft. Also nur harte Alkoholika sind ausgenommen, Bier dagegen erlaubt.

Sex- und Pornoindustrie werden oft ausgeschlossen

Eine weitere evangelische Institution ist die Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank, die sich in vielen Bereichen mit der Evangelischen Bank deckt. Auch was die gemeinsame unabhängige Informationsquelle oekom research AGb betrifft, eine Rating-Agentur, die Branchen, Unternehmen und Länder nach verschiedenen Kriterien bewertet. Darüber hinaus spricht sich die KD-Bank gegen die Herstellung von gewaltverherrlichenden Videospielen aus. Im Bezug auf Pornografie gilt ein eingeschränktes Ausschlussverfahren. Gestattet ist die eigene Produktion von pornografischen Inhalten, das Anbieten von Sex-Tourismus und Etablissements, sofern der Anteil am Unternehmensgesamtumsatz unter fünf Prozent liegt.

Auf katholischer Seite hat die Pax-Bank ebenfalls einige Anlagekriterien aufgestellt, doch hier ist sehr stark die Umsatzgrenze im Bezug auf die Ausschlusskriterien zu beachten. Und obwohl sie, wie auch die Steyler Bank, Investitionen in Verhütung und Abtreibung, Rüstung und die Tabakindustrie ablehnt, haben beide Banken bereits in Aktien solcher Unternehmen investiert.

Die Bank für Kirche und Caritas, ebenfalls eine katholische Bank, stellt den Menschen in Verbindung mit der Schöpfung, als Einzelperson und als Teil der Gesellschaft in den Mittelpunkt. Intensive Analyseprozesse von Anlageuniversen führen zum ihrem ethisch-nachhaltigen Anlegeportfolio.

Die „normalen“ nachhaltigen Banken beziehen sich im Schnitt weniger auf ethische, dafür aber stärker auf soziale und ökologische Aspekte. Ein Beispiel ist die GLS-Bank, die auch klar gegen jegliche Menschenrechtsverletzungen positioniert ist, trotzdem einen größeren Fokus auf die Nachhaltigkeit im ökologischen Sektor fokussiert ist. Die Ausschlusskriterien gewisser Branchen werden hier überwiegend an der nachhaltigen Energieerzeugung, der Ablehnung von Gentechnik, Massentierhaltung und so weiter gemessen. Zur Pornografie äußert sich die GLS-Bank nicht.

Verzicht auf Kernkraft gefordert

Betrachtet man nun einmal die Anlagekriterien der Ethikbank, fällt auf, dass diese ihre Informationen um einiges transparenter darstellt als andere Banken. Sie zeigt, dass kein Unternehmen einwandfrei und zu 100% nachhaltig ist, und Kompromisse notwendig sind. Etwa bei der Korruption von Unternehmen: solange diese als „mäßig“ eingestuft wird, ist sie noch kein Ausschlusskriterium.

Eine zudem sehr bekannte Nachhaltigkeitsbank ist die Triodos Bank. Auch sie strebt eine Verbesserung der Umwelt und im Allgemeinen der Lebensqualität der Menschen an. Was den Ausschluss von Unternehmen betrifft, schließt sie die Alkohol-, Tabak-, Waffen-, Glücksspiel- oder Pornografieindustrie für Investitionen nicht gänzlich aus, sondern stellt feste Kriterien auf, die nicht zutreffen dürfen.

Hier gehts zur detaillierten Liste der Kriterien