29.04.2015
VIOLIN ASSETS

„Stradivaris haben über 300 Jahre in einfachen Holzkisten überlebt“

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Das klingt wie Musik in den Ohren. Knapp 8 Prozent Jahresrendite soll ein Investment in Streichinstrumente bringen. Finanzmonitor hat Christian Reister, Geschäftsführer von VIOLIN ASSETS, gefragt, für wen eine solche Geldanlage geeignet ist. Von Andrea Wörle

Finanzmonitor: Herr Reister, eignen sich Streichinstrumente überhaupt für jeden als Wertanlage, oder ist das eher eine Option für Musikliebhaber?

Christian Reister: Hochwertige Streichinstrumente sind absolut als Investment geeignet, allerdings als Beimischung. Etliche Gründe sprechen für diese Sachwertanlage, zum Beispiel die Unkorreliertheit zu anderen Anlagen und die Eigenschaft einer Mobilie. Darüber hinaus ist der Nutzwert sehr hoch, schließlich brauchen Musiker gute Instrumente, um ihre Talente zu entwickeln.

Finanzmonitor: Ist das „Holz“ der Instrumente also das neue Gold?

Reister: (Lacht) Nichts gegen andere Sachwerte. Gold hat auch seine Vorteile, da es ein monetäres Tauschmittel ist. Aber Streichinstrumente bieten andere, ganz einmalige Vorteile.

Finanzmonitor: Mit welcher Rendite kann man rechnen?

Reister: Wenn man die Wertentwicklung der letzten 100 Jahre betrachtet, dann haben französische und italienische Violinen jährlich zwischen 5 und 8 Prozent an Wert gewonnen. Und das in einem sehr stetigen Verlauf. Seit Mitte der 1980er Jahre wurde das Streichinstrument zunehmend global als Investment entdeckt.. 

Finanzmonitor: Wie gehe ich als Interessent vor? Kann ich mich etwa von der Maxime „umso größer, umso besser“ leiten lassen und davon ausgehen, dass ein Kontrabass generell mehr Wert hat als eine kleine Violine?

Reister: Kontrabässe sind nicht so werthaltig wie Violinen, Bratschen und Celli. Eine Auktion würde ich Interessenten außerdem nicht empfehlen — auch nicht beim Verkauf. Der klügere Weg läuft über einen anspruchsvollen Anbieter wie uns. Wir können das zum Anlageziel, den persönlichen Präferenzen und zum Budget passende Streichinstrument finden. Zudem können wir Künstler vermitteln, an die das Instrument verliehen werden kann.

Finanzmonitor: Wie funktioniert die Wertbestimmung eines Streichinstrumentes?

Reister: Wir bieten Marktpreise an und orientieren uns an den bestehenden Preisen, die auch von Geigenhändlern verlangt werden. Im Unterschied zu Händlern, die sich vor allem an Musiker richten, richtet sich VIOLIN ASSETS ausschließlich an Investoren. In dieser Verbindung des Angebots von Streichinstrumenten als Wertanlage sind wir sogar weit über die deutsche Grenze hinaus einmalig.

Finanzmonitor: Wer gehört zu Ihren Kunden?

Reister: Wir haben Kunden aus aller Welt. Angefangen bei vermögenden Privatkunden, über Stiftungen, Family Offices bis hin zu institutionellen Investoren.

Finanzmonitor: Inwieweit tragen Streichinstrumente nun zur Diversifizierung der Kapitalanlage bei? Gibt es auch Instrumente-Fonds?

Reister: Wir bieten an, in ein Instrument direkt zu investieren. Bei größeren Summen stellen wir auf Wunsch ein Portfolio zusammen, in dem sich eine sinnvolle Struktur bez. Diversifikation findet. Durch seine Eigenschaft als mobiler Sachwert trägt das Streichinstrument bereits zur Diversifikation bei. Zudem sind Instrumente mit anderen Kapitalanlagen fast unkorreliert. Einen Fonds gibt es allerdings nicht.

Finanzmonitor: Auch nicht mit anderen Kunstgegenständen?

Reister: Nein, bei Kunst bestimmt sich der Wert des Werks oft nach dem momentanen Geschmack der Käufer. Mal ist ein Künstler gefragt und mal nicht. Bei Streichinstrumenten geht es um zeitlosere Dinge, wie etwa den Klang, wenngleich es auch hierbei Unterschiede zwischen den lieblichen Tönen einer Stradivari oder den dunkleren und raueren Klangfarben einer Guarneri del Gesu gibt. Das sind aber keine fundamentalen Unterschiede. Wie attraktiv eine solche Anlage ist, beruht letztendlich auf Fakten. Welcher Geigenbauer hat das Instrument geschaffen? Wie alt ist es? Wie gut ist es erhalten? Wie ist die Qualität des Baus und wer hat schon damit gespielt? Deshalb kann es für Investoren auch sinnvoll sein, ihre Instrumente an aufstrebende Solisten zu verleihen. 

Finanzmonitor: Ab welcher Summe kann man einsteigen und welchen Anlagehorizont sollte man mitbringen?

Reister: Ein Einstieg ist ab 25.000 Euro möglich und drei bis fünf Jahre sollte man mindestens investiert bleiben, um eine Wertentwicklung mitnehmen zu können.

Finanzmonitor: Nun ist ein Streichinstrument zwar eine Sachanlage, aber lange nicht so liquide wie Aktien. Wer kauft mir das Instrument wieder ab?

Reister: Gerne können sich Käufer wieder an VIOLIN ASSETS wenden. Wir unterstützen Kunden bei der Suche nach einem nachfolgenden Investor. Der Vorteil eines mobilen Sachwerts ist auch, dass es in verschiedenen Währungsräumen gekauft und verkauft werden kann. So kann man sich an konventionelle Geigenhändler wenden. Manchmal ist es auch so, dass der geförderte Musiker das Instrument kaufen möchte. 

Finanzmonitor: Welche Spitzenpreise sind zuletzt für Streichinstrumente erzielt worden?

Reister: In 2011 gab es einen spektakulären Fall, wo eine Stradivari genannt „Lady Blunt“ für 11,9 Millionen Euro den Besitzer wechselte. Es war damals ein Verkauf durch die Nippon Foundation. Wir wissen auch von Instrumenten, die für mehr als 15 Millionen Euro verkauft wurden.

Finanzmonitor: Das klingt nach einem lohnenden Geschäft. Aber wo liegen die Risiken eines Investments in Streichinstrumente? Ist weiterhin von einer wachsenden Nachfrage nach hochwertigen Streichinstrumenten auszugehen?

Reister: Wenn man sich die Attraktivität dieser Anlageklasse ansieht, wird diese nicht abnehmen. Durch die lockere Geldpolitik der Notenbanken und der sinkenden Attraktivität anderer Anlagen ist ein Investment in Streichinstrumente nochmal attraktiver geworden. In der Vergangenheit haben sich Instrumente sehr stetig im Wert entwickelt. Letztendlich handelt es sich damit um eine sehr konservative Anlage.

Finanzmonitor: Wie muss man das Instrument lagern, versichern und was kostet das?

Reister: Eine Versicherung ist Standard und kostet im Schnitt 0,5 Prozent des aktuellen Wertes. Damit sind dann bereits alle Szenarien abgedeckt, ob Diebstahl, Brand, et cetera. Auch der Verleih des Instruments an einen Musiker ist damit versichert. Durch den Leihvertrag vereinbart man dann unter anderem auch die Wartung. Ansonsten empfehlen wir, die Streichinstrumente zweimal pro Jahr zu Experten zum Check zu bringen. Wenn man das Instrument zu Hause aufbewahrt, sollte man auf eine gewöhnliche Temperatur und normale Luftfeuchtigkeit achten, die auch für Menschen angenehm ist. Es muss eigentlich nicht viel getan werden. Viele Stradivaris haben über 300 Jahre auch in einfachen Holzkisten überlebt.

 

Das Violinen-Foto stammt von Jan Röhrmann.

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