Alternative Anlageklassen sind für Investoren auf der Suche nach Alpha, regelmäßigen Erträgen und Diversifikation heute unverzichtbar

Die Auswirkungen von Covid-19 auf die globalen Kapitalmärkte lassen sich täglich am Auf und Ab von Börsenkursen sowie den Renditen der Staatsanleihen beobachten. Dank ihrer geringeren Volatilität konnten alternative Anlageklassen im pandemiegeprägten Umfeld zur Stabilisierung der Portfolios beitragen. Und ihre Bedeutung wird weiter zunehmen, ist sich Jens Schmitt, Leiter des institutionellen Geschäfts in Deutschland und Österreich bei J.P. Morgan Asset Management, sicher. „Angesichts des zementierten Niedrigzinsumfelds, ausgereizter Aktienbewertungen sowie sinkenden Korrelationsvorteilen klassischer Anlageklassen bieten alternative Anlagen nach wie vor Alpha, regelmäßige Erträge sowie eine effektive Diversifizierung“, erläutert Schmitt. „In diesem Umfeld sind alternative Anlagen, die von vielen Investoren bislang vielleicht nur optional genutzt wurden, für die Portfoliokonstruktion tatsächlich unverzichtbar geworden.“

Vor diesem Hintergrund hat J.P. Morgan Asset Management bereits zum dritten Mal die Chancen alternativer Anlagen untersucht und den Global Alternatives Outlook für 2021 erstellt. Neben einem Ausblick für die wichtigsten alternativen Anlageklassen umfasst der Report Einschätzungen der CEOs, CIOs und Strategen für 14 alternative Anlagesegmente. „Auf Basis unserer mehr als 50 Jahre Investmenterfahrung in ‚Alternatives‘ und verwalteten Assets in Höhe von 150 Milliarden US-Dollar möchten wir Anlegern nuancierte Erkenntnisse vermitteln, die ihnen helfen, ihre Portfolios besser für die aktuellen Herausforderungen zu wappnen“, so Jens Schmitt weiter. Dafür gibt der Global Alternatives Outlook 2021 einen strukturellen, ergebnisorientierten Rahmen für alle relevanten Anlagesegmente vor, mittels dem Investoren ihre Allokation evaluieren können.

Hedgefonds: Chancen im Growth-Segment sowie bei globalen Megatrends wie Nachhaltigkeit

Anton Pil, Global Head of Alternatives bei J.P. Morgan Asset Management, sieht bei Hedgefonds vor allem Potenzial im Growth-Segment: „Auch wenn die Bewertungen generell erhöht sind, ist das makroökonomische Umfeld dank der anhaltenden fiskalischen Anreize, der Liquidität der Zentralbanken, und des im Jahresverlauf wahrscheinlich über dem Trend liegenden Wachstums im Zuge der wirtschaftlichen Erholung günstig. Im Mittelpunkt der Investmenttätigkeit werden dabei globale Megatrends wie Nachhaltigkeit, Konsum in Schwellenländern sowie Technologie (einschließlich Gesundheitstechnologie wie Telemedizin) stehen. „Die Adaption von Verbraucher- und Unternehmenstechnologien steht unserer Ansicht nach an einem Wendepunkt und schafft Chancen in Bereichen wie Cloud Computing, Software, Cybersicherheit, Zahlungen, Halbleiter und Biotechnologie“, betont Pil. Insgesamt sollten nachhaltige Investments nach der Pandemie stärker im Fokus stehen: „Die eklatanten Unterschiede bei den Auswirkungen von Covid-19 auf die Gesellschaft – sei es in Bezug auf Gesundheit, Einkommen oder Bildungszugang – verbunden mit der wiederbelebten Bürgerrechtsbewegung in den USA rücken den Themenkomplex ‚ESG‘ stärker in den Fokus“, so Pil. Interessante Chancen sieht der Experte auch im Segment der „Special Purpose Acquisition Vehicles“ (SPACS). Einerseits haben die Emittenten, aber auch die möglichen Zielunternehmen und Zeichner der SPACS an Qualität und Glaubwürdigkeit gewonnen. Zudem bietet der Markt Ineffizienzen und nicht zuletzt stoßen sie auf steigendes Interesse der Anleger. Investiert wird in Strategien mit verschiedenen Risiko-Ertrags-Strukturen, um beispielsweise Übernahmen vorzugreifen.

Infrastruktur: Kontrolle und Stakeholder-Engagement bleiben von größter Bedeutung

Das Krisenjahr 2020 zeigte erneut, welchen Vorteil der Besitz einer Mehrheitsbeteiligung an Infrastrukturinvestments bietet. Investoren konnten enger mit dem Management zusammenarbeiten, um pandemiebedingte Probleme schnell zu lösen. Ebenso spielt die Einbeziehung von Stakeholdern eine wichtige Rolle – etwa als sich beim Ausbruch der Pandemie Versorgungsunternehmen bereit erklärten, wegen unbezahlter Rechnungen nicht den Strom abzuschalten, was nicht nur im Sinne der Kunden, sondern auch der Regulierungsbehörden war. Durch die Covid-19-Krise rückte zudem der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft in den Vordergrund, und der Bau von Solar- und Windenergieanlagen wird sich weiter beschleunigen. Viele Energieversorger werden weiter von traditionelleren fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umsteigen, was häufig durch eine weniger kohlenstoffintensive und nicht intermittierende Erdgaserzeugung ergänzt wird. Die Finanzierung dieses Übergangs wird weiterhin gute Investitionsmöglichkeiten bieten.

„Infrastruktur bleibt auch 2021 ein wertvoller Diversifikator und eine Quelle für Kapitalwachstum und regelmäßige Erträge. Klassischerweise sind Investments in Kerninfrastruktur relativ zyklusunabhängig, da sie wesentliche Dienstleistungen darstellen. So entdecken immer mehr Investoren diese Anlageklasse für sich und sie sollte – wie Immobilien in den letzten 30 Jahren – allmählich zu einem Standardbestandteil der institutionellen Asset Allokation werden“, ist der Experte überzeugt.

Transport: Kritischer Kapitalbedarf und Suche nach nachhaltigen Lösungen

Für diesen kapitalintensiven Sektor ist der Zugang zu Kapital entscheidend. Dies verstärkt sich angesichts des dringenden Bedarfs an Investitionen in umweltverträgliche Technologien, zumal Finanzierungs- und Leasingmöglichkeiten zunehmend an die Leistung in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) geknüpft sein werden. Das übergeordnete Ziel ist dabei, die Motorentechnik zu verbessern und die Emissionen zu reduzieren – dafür sind skalierbare und nachhaltige Technologielösungen gefordert. So könnten mit Wasserstoff oder Ammoniak betriebene Motoren eine Option für Schiffe sein, erfordern jedoch eine globale Infrastruktur für die Betankung. „Es werden wohl die größeren Unternehmen mit besserer Kapitalausstattung sein, die diese Verbesserungen finanzieren können. Dies wird wahrscheinlich die Konsolidierung der Branche beschleunigen“, sagt Pil.

Die Erzeugung erneuerbarer Energie ist sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance. Während die Stromerzeugung von beispielsweise Windparks unvorhersehbar sein kann, können kleine Wasserstoff- oder SynFuel-Anlagen (synthetischer Kraftstoff) entlang von Übertragungsleitungen positioniert werden, um Strom in den Zeiten zu nutzen, wenn wenig Nachfrage ist. Insgesamt zeichnet sich ein positiver Kreislauf ab, in dem sich Banken, Investoren und Verbraucher gemeinsam darauf konzentrieren, die CO2-Emissionen zu reduzieren und die Nachhaltigkeit zu fördern. „Während ein undisziplinierter Kapitaleinsatz zu einer starken Nachfrage an falscher Stelle führen könnte, wie Anfang des Jahrhunderts geschehen, sind wir überzeugt, dass Investoren gute Möglichkeiten in einem Transportsektor finden können, der zunehmend Nachhaltigkeitsziele verfolgt und attraktive, vorhersehbare, langfristige Renditen bietet“, führt Anton Pil aus.

Private Credit: Störung bedeutet nicht Zerstörung

Wenn sich die Welt nach Covid-19 wieder normalisiert, sollten viele Assets und Unternehmen ebenfalls wieder zur Normalität zurückkehren – manche werden sogar stärker als zuvor aus der Krise hervorgehen. Der disruptive Effekt der Pandemie ist also nur vorübergehend. Gleichwohl gilt es, besonders selektiv vorzugehen und Investments zu vermeiden, die langfristig durch neue Trends betroffen sind. Auch bei Unternehmen, die ihren Fremdkapitalanteil stark erhöht haben, ist Vorsicht geboten. „Umfangreiche Liquiditätsmaßnahmen der Zentralbanken und Notkredite retteten die Anleihemärkte im Jahr 2020 zwar erfolgreich vor einer wahren Flutwelle an Zahlungsausfällen. Diese geldpolitischen Maßnahmen haben das Problem jedoch nicht beseitigt. Vielmehr sind zukünftig mehrere kleinere Wellen zu erwarten. Dies wird in den nächsten Jahren Investmentchancen eröffnen, sei es für unsere Credit Hedgefonds oder unsere Distressed Loans oder Special Situations Teams“, so Pils Prognose. Darüber hinaus rückt Real Asset Lending in den Fokus. „Wir schätzen die Finanzierung von Real Assets wegen der regelmäßigen Ertragsströme und erwarten, dass diese zu besseren Spreads und Konditionen als vor der Pandemie erfolgen. Angesichts der niedrigen Fremdkapitalkosten wird nur moderates Leverage genutzt, um die Erträge zu steigern. Unsere Asset-Backed-Investitionen werden durch die zugrundeliegenden Objekte gestärkt, zu denen neben Gewerbeimmobilien auch wichtige neue digitale und grüne Infrastrukturprojekte gehören“, so Pil.

Private Equity: Gute Aussichten auch jenseits der großen Deals

Während häufig nur die größten Buyouts in den Schlagzeilen stehen, sieht Anton Pil vor allem bei Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 10 und 100 Mio. US-Dollar attraktive Chancen. Trotz zunehmend wettbewerbsintensiver Märkte können diese Unternehmen im Allgemeinen zu einem niedrigeren Bewertungsmultiplikator gekauft werden, wobei die Transaktionsstrukturen weniger auf Fremdkapital angewiesen sind. Auch Co-Investing ist eine interessante Option, denn diese Investments bieten beschränkt haftenden Teilhabern (Limited Partners) die Möglichkeit, direkt in ein einzelnes privates Unternehmen zusammen mit einem Sponsor zu investieren, der die Due Diligence leitet und letztendlich für die Umsetzung des Deals verantwortlich ist. Im Vergleich zu anderen Arten von privaten Investitionsmöglichkeiten bieten Co-Investments das Potenzial, die Rendite zu steigern, eine attraktive Wirtschaftlichkeit zu erzielen sowie die Präsenz und den Einfluss zu erhöhen. Auch im Segment der Private-Equity-Investitionen bestimmen Technologie und Innovationen den Trend und tragen zu Wertschöpfung und Rendite bei. „Nicht alle innovativen Ideen führen jedoch zu nachhaltigen, profitablen Unternehmen. Die Identifizierung der wahrscheinlichen Gewinner und das Verständnis von Abwärtsrisiken sind essenziell und erfordern einen erfahrenen Partner mit umfassenden Branchen- und Fachkenntnissen“, betont Anton Pil

Real Estate: Chancen in Industrie und Logistik durch Pandemie verstärkt

Für Immobilieninvestoren ist der Industrie-/Logistiksektor als größter Nutznießer der beschleunigten Megatrends besonders attraktiv. Die anhaltende Verlagerung auf E-Commerce sowie technologische Fortschritte in den Bereichen Konnektivität, Cloud Computing und Internet der Dinge führen nicht nur zu einer Nachfrage nach traditionellen Industrieanlagen, sondern auch nach spezialisierten Immobilien wie Rechenzentren, Kühlhäusern und Lkw-Terminals. Die Pandemie mit ihren sozialen Einschränkungen und Fokus auf Homeoffice hat diese Nachfrage verstärkt.

Und auch wenn Einzelhandelsimmobilien erheblich gelitten haben, da Covid-19 den Trend zu Online-Shopping beschleunigt hat, ist Anton Pil überzeugt: „Es ist jedoch nicht an der Zeit, den Sektor aufzugeben, sondern die Vielfalt der Immobilientypen genauer zu betrachten und sich auf die sorgfältige Auswahl zu konzentrieren.“ Die verschiedenen Arten von Einzelhandelsimmobilien sind unterschiedlich vom E-Commerce betroffen, zudem variiert die Online-Durchdringung je nach regionalem Markt, ebenso wie die Dynamik von Angebot und Nachfrage von Einzelhandelsimmobilien. „Wir sehen erhebliche Chancen für Betreiber, die Räumlichkeiten im Einklang mit neuen Einzelhandelsmodellen neu gestalten und entwickeln können“, betont Anton Pil. Im Bürosektor zeigt er sich sogar optimistischer als viele andere Asset Manager. „Während die Arbeit von zu Hause in der Pandemie zugenommen hat, hängt ein optimales, nachhaltiges Gleichgewicht zwischen Heim und Büro von der Wirtschaft und der menschlichen Natur ab – und kann je nach Unternehmen und Region variieren. Zu den Dynamiken, die unsere konstruktiveren Aussichten stützen, gehören die anhaltende Notwendigkeit der Zusammenarbeit für Produktivität, der wachsende Anteil von Arbeitsplätzen im Büro und die Notwendigkeit, dass Unternehmen auch bei flexiblen Arbeitsvereinbarungen eine maximale Büronutzung planen müssen“, unterstreicht der Experte. Und auch auf die Wohnimmobilien auf der ganzen Welt hat die Pandemie Einfluss, hauptsächlich durch die Dynamik des Arbeitens aus dem Homeoffice und den eingeschränkten Zugang zu Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und kulturellen Erlebnissen, die städtische Zentren zu lebendigen und begehrenswerten Wohnorten machen. „Die Auswirkungen der Pandemie auf die Nachfrage sind in den verschiedenen Regionen ungleichmäßig zu spüren, aber wir denken, dass sie nur von kurzer Dauer sein sollten“, so Anton Pils Fazit.