Western Asset Management: Soziale Risiken erreichen Industrieländer

Der Sturm auf das Kapitol ist für die Experten von Western Asset Management ein einschneidendes Ereignis mit großer Tragweite. Für Anleger bedeutet diese Gemengelage, dass Risiken omnipräsent sind.

„Unterschätzen Sie die Kosten des sozialen Risikos nicht“, warnten die Experten des Investmenthauses Western Asset Management 2019 mit Blick auf die politische Situation in Chile und Hongkong. Inzwischen gilt diese Warnung auch für die Vereinigten Staaten. Nach dem Angriff eines wütenden Mobs auf das US-Kapitol sollten sich Investoren der politischen und sozialen Risiken auch in Industrieländern bewusst sein. „Es wäre ein Fehler, derartige Risiken nur beim Blick auf Schwellenländer in Betracht zu ziehen. Die jüngsten Ereignisse in den USA haben gezeigt, dass auch Industrieländer mit ihren etablierten Demokratien nicht vor derartigen Risiken gefeit sind“, so Western Asset Management. Neben den USA verweisen die Analysten auf die Unsicherheit in Großbritannien im Zuge des EU-Austritts, den Erfolg populistischer Parteien in Europa sowie das laufende Amtsenthebungsverfahren gegen den Noch-US-Präsidenten Donald Trump auf der Zielgeraden seiner Amtszeit.

Für Western Asset Management ist der Sturm auf das US-Kapitol neben der Pandemie und dem weltweiten Handelskrieg das dritte Ereignis der vergangenen Jahre, das geeignet ist, mit gängigen Paradigmen zu brechen. Noch bleibt unklar, welche Folgen das Ereignis langfristig haben wird. Beobachter und Kommentatoren werden in den kommenden Wochen und Monaten den Ursachen für die politischen Unruhen in den USA auf den Grund gehen und daraus Schlüsse für die Zukunft ziehen. Klar scheint allerdings schon jetzt, dass die Tumulte am 6. Januar die Amtseinführung des designierten US-Präsidenten Joe Biden überschatten werden.

Für Anleger bedeutet diese Gemengelage, dass Risiken auch weiterhin omnipräsent sind. Die US-Rentenmärkte werden jedes kurzfristige Ereignis, das geeignet ist, das Wachstum oder die Inflationsentwicklung zu verändern, mit Kursbewegungen quittieren. „In den kommenden Tagen dürften Anleger mit einer Flut politisch aufgeladener und reißerisch formulierter Schlagzeilen konfrontiert werden. Trotzdem werden die Märkte wohl ihren Weitblick, wie in der Frühphase der Pandemie und beim Handelskrieg, behalten und den Fokus auf die Stabilität richten, die von der neuen US-Regierung und der zu allem entschlossenen US-Notenbank zu erwarten ist“, so die Experten.

Trotzdem sind volatile Kursverläufe und zeitweilige Überraschungen nicht ausgeschlossen. In diesem Zusammenhang lässt sich auch die Marktsicht einiger Investoren, wonach Anleihen ihre Eigenschaft als Instrument zur Risikosteuerung eingebüßt hätten, zurückweisen. Der Blick auf die vergangenen drei Jahre zeigt, dass insbesondere aktives Durations- und Zinskurvenmanagement in Zeiten ausgeprägter Marktvolatilität ein Erfolgsgarant ist und Investoren entscheidende Diversifizierungsvorteile bietet. Gerade in diesen Zeiten wachsender politischer Instabilität sollten Investoren diese Chance auf Sicherheit ergreifen.