Es geht aufwärts – doch kein Grund für Hektik und Experimente

Auch wenn die Pandemie weiterhin alle Lebensbereiche in Beschlag hat: „Es geht aufwärts“, ist die Hamburger Sutor Bank überzeugt. Die bereits gestarteten Impfungen, das Zusammenspiel staatlicher Konjunkturmaßnahmen, die aggressive Notenbankpolitik und der Rückgang der politischen Unsicherheiten sollten nach der heftigsten Rezession in der Nachkriegsgeschichte für einen ordentlichen Konjunkturaufschwung sorgen. „Sobald die zweite Welle der Pandemie abgeebbt ist, dürfte der geldpolitische Rückenwind die Konjunktur spürbar beflügeln. Ende 2021 bis Mitte 2022 könnte wieder das Niveau vor Corona erreicht werden“, sagt Lutz Neumann, Leiter Vermögensverwaltung der Sutor Bank. Anleger sollten in dieser Phase nicht in Hektik verfallen, sondern auf eine ausgewogene Mischung aus Aktien und Anleihen vertrauen.

Deutschland und Europa – positive Aussichten für 2021

Die Entwicklung nach der ersten Pandemie-Welle zeige nach Ansicht von Lutz Neumann deutlich, wie schnell die Wirtschaft auch wieder Fahrt aufnehmen könne. Die Erholung wurde durch die zweite Infektionswelle jedoch ausgebremst, die Einschränkungen sind wieder heftig. Aber die für die deutsche Wirtschaft wichtige Industrie komme besser durch den Lockdown, weil sie dieses Mal besser auf Lieferengpässe vorbereitet sei. Verschiedene Wirtschaftsexperten schauen daher optimistisch in die Zukunft und prognostizieren Wachstum: Die EZB rechnet für 2021 mit einem Plus von 3,9 Prozent, das DIW sogar mit plus 6,3 Prozent – demgegenüber rechnen die Konjunkturforscher des DIW für das Jahr 2020 allerdings mit einer um 5,1 Prozent reduzierten Wirtschaftsleistung in Deutschland.

In den meisten europäischen Volkswirtschaften standen im 4. Quartal 2020 dicke Minuszeichen. Durch die erneuten Lockdown-Verschärfungen wurde die Gesamtwirtschaft noch einmal weiter heruntergezogen und ging deutlich schwächer aus dem Jahr 2020. Das DIW geht davon aus, dass die globale Produktion im letzten Jahr um 3,4 Prozent geschrumpft ist. Der Sachverständigenrat rechnet in seiner jüngsten Konjunkturprognose für den Euroraum mit einem Rückgang des realen BIP im Jahr 2020 um 8,5 Prozent und mit einem Wachstum von 6,2 Prozent im Jahr 2021.

USA: Solide Lage

Die konjunkturelle Lage in den USA ist vergleichsweise solide. Positive Nachrichten kommen aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Immobiliensektor. Die Einzelhandelsumsätze entwickelten sich zuletzt moderat, sie liegen jedoch bereits seit Juni 2020 über dem Vorkrisenwert. Der Trend der zunehmenden Inflationsrate hatte sich bis September noch fortgesetzt. Danach blieb der Preisauftrieb sehr verhalten, wodurch sich eine Jahresinflation von 1,2 Prozent ergibt. Im Vorjahr betrug die Inflation noch 2,3 Prozent.

Erfreuliche Nachrichten vermeldete der US-Arbeitsmarkt. Laut Statistik im Dezember konnte dieser seine Erholung fortsetzen. Nach 5,9 Millionen Arbeitslosen zu Jahresbeginn 2020 war die Zahl der Arbeitslosen im April coronabedingt rapide angestiegen – auf 23,1 Millionen. Seitdem sinkt die Arbeitslosenzahl kontinuierlich; im Dezember 2020 stand sie bei 10,7 Millionen.

China und Emerging Markets – Wirtschaft wächst

Als erste große Volkswirtschaft hat China den durch die Corona-Krise bedingten Wachstumseinbruch wieder ausgebügelt. Als Zeichen der anhaltenden Erholung nach dem Corona-Einbruch ist Chinas Wirtschaft im 3. Quartal 2020 im Vorjahresvergleich um 4,9 Prozent gewachsen und im 4. Quartal sogar um 6 Prozent. Auf das Jahr gerechnet konnte China seine Wirtschaftsaktivitäten im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent steigern. Für 2021 rechnen Volkswirte mit einem Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts von mehr als 9 Prozent.

Der Handelskonflikt mit den USA ist längst nicht ausgestanden. Mit dem im November erfolgreich geschlossenen Freihandelsabkommen (RCEP) zwischen 15 Ländern Asiens hat China seine zentrale wirtschaftliche Bedeutung allerdings weiter stärken können. „Der Wirtschaftsmotor in Asien brummt und das Abkommen wird in dieser Zeit globaler Verunsicherung dazu beitragen, dass sich die wirtschaftlichen Gewichte der Welt verlagern“, sagt Lutz Neumann.

Folgerungen für die Geldanlage: keine Experimente, keine Hektik, viel Geduld

Nach Ansicht von Lutz Neumann ist hektisches Umschichten in Zeiten der Krise und der erhöhten Volatilität unbedingt zu vermeiden. „Ein Anleger, der das vergangene Jahr komplett verschlafen hat, hat eigentlich nichts verpasst. Außer viel Aufregung vielleicht“, erklärt Neumann. So feierte der DAX Mitte Februar 2020 mit 13.789 Punkten sein Allzeithoch, bevor es rapide bergab ging. Derzeit notiert der DAX nahezu gleichauf bei rund 13.800 Punkten. Das Jahr 2020 hat der DAX sogar mit einem Plus von 3,5 Prozent abgeschlossen – anders als der Euro Stoxx 50, der zum Jahresende ein Minus von 4,6 Prozent verzeichnete.

„Die Märkte reagieren in der Krise unterschiedlich. Daran, dass ein gesundes Depot immer aus einer guten Mischung von Aktien und Anleihen besteht, wird sich daher auch zukünftig nichts ändern. Getreu der Devise: ‚Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem man keine Aktien haben sollte – und keinen, an dem man nur Aktien haben sollte.‘ Grundsätzlich ist ganz wichtig, nun nicht in Hektik zu verfallen und Experimente einzugehen. Es braucht weiterhin Geduld – doch die Aussichten sind positiv“, fasst Lutz Neumann zusammen.