Es gibt keine spezielle Corona-Strategie für die Geldanlage

Die Corona-Pandemie scheint an den Kapitalmärkten eine einfache Gleichung zu etablieren: Technologie + USA + Größe = Höchstgewinn. Die Wertentwicklung 2020 spricht dafür: Der Bereich Informationstechnologie erzielte – gemessen am MSCI World Information Technology Index – im vergangenen Jahr eine Jahresperformance von knapp 44 Prozent und damit mehr als in jedem anderen Segment. Nach Ansicht der Hamburger Sutor Bank sollten Anleger allerdings gerade jetzt nicht blindlings vermeintlichen Trends folgen und ihre Portfolios womöglich einseitig ausrichten. „Der ‚Hype‘ um die US-Technologie-Giganten wie Amazon, Facebook, Google oder Apple als Krisengewinner erweckt bei Anlegern den Eindruck, dass es mit deren Entwicklung immer so weiter geht. Dies ist mit großer Vorsicht zu genießen“, erklärt Lutz Neumann, Leiter Vermögensverwaltung der Sutor Bank. Neben dem Narrativ von der grenzenlosen Erfolgsgeschichte der großen US-Tech-Konzerne treten zunehmend auch neue Narrative auf, die Anlegern den Weg aus der Krise zeigen sollen – etwa, dass nach Bewältigung der Corona-Krise das große Revival der Value-Werte anstehe.

„Eine spezielle Corona-Strategie für die Geldanlage gibt es nicht. Das Thema Digitalisierung etwa zieht sich durch alle Segmente und Lebensbereiche, und beschränkt sich nicht nur auf die bekannten großen US-Plattformen. Doch ebenso wenig ist automatisch jedes digitale Geschäftsmodell erfolgversprechend. Die einzig richtige Anlagestrategie vor, während und nach Corona heißt Diversifikation über möglichst viele Branchen, Regionen und Unternehmensgrößen hinweg“, sagt Neumann. Dafür sei eine ausgewogene Auswahl von Fonds und auch Einzeltiteln wichtig. Die Sutor Bank zeigt anhand einiger Beispiele, warum Diversifikation gerade jetzt Sinn macht.

Growth im Fokus? Oder doch besser Value? Von beidem etwas

Alles auf Wachstums-, oder doch lieber auf Substanzwerte setzen? Wer sich von den vielen Meinungen und Empfehlungen zu einem fortwährenden Umschichten seines Portfolios verleiten lasse, drohe nach Meinung von Lutz Neumann stets einer Entwicklung hinterherzulaufen. „Es geht nicht um die Frage, ob heute Growth und morgen Value oder vielleicht auch umgekehrt. Im Growth-Segment steckt viel Spekulation mit ungewisser zukünftiger Entwicklung, und auch im Value-Segment gibt es Licht und Schatten“, sagt Lutz Neumann.

Beispiel Growth-Segment: Die Top-10-Werte im MSCI World Growth Index machen allein ein Drittel des Index mit insgesamt 750 Werten aus. Sollte der eine oder andere Großkonzern in Schwierigkeiten geraten, könnte er das ganze Segment negativ beeinflussen. Übertriebene Spekulation zeigt beispielsweise der Kurs von Tesla, der in den vergangenen 12 Monaten eine Performance von plus 520 Prozent erzielte – jedoch mit extremer Schwankungsanfälligkeit. Die Dimension der Übertreibung wird klar, wenn man Werte wie Amazon (+56 Prozent) und Microsoft (+25 Prozent) dagegen hält. Facebook liegt sogar „nur“ bei rund 5 Prozent Plus auf ein Jahr – die scheinbar ewige Wachstumsstory scheint Risse zu bekommen. Zwei Werte aus den Top-10 des MSCI World Value Index schneiden gegenüber Facebook auf Sicht der vergangenen 12 Monate sogar knapp besser ab, nämlich die US-Baumarktkette Home Depot und das Versicherungsunternehmen United Health mit jeweils knapp 6 Prozent. Auch andere Value-Werte konnten sich gut entwickeln, wie etwa Walt Disney mit plus 12 Prozent.

„Die Performance-Spanne innerhalb der Investmentstile ist zum Teil enorm, Gewinner von heute können schnell zu den Verlierern von morgen werden. Das gilt besonders für den Bereich Growth, wie das Beispiel Facebook zeigt, dessen Stern allmählich verblasst. Wer kann sagen, ob Facebook in fünf Jahren noch relevant bei den Nutzern ist? Auch der Börsenaufschwung von Tesla war stets von großen Schwankungen begleitet – größere Rückschläge sind weiterhin jederzeit möglich“, sagt Lutz Neumann. Gerade im dynamischen Growth-Segment sollten Anleger daher nicht auf Einzelwerte spekulieren. Anstatt einseitig auf Investmentstile wie Growth oder Value zu setzen, sollten Anleger besser auf eine breite Marktabdeckung achten.  

Alles auf USA? Besser nicht

In der öffentlichen Wahrnehmung dominieren vor allem US-Werte – weil hierzulande ihre Produkte bekannt sind und weil ihnen gemeinhin automatisch ein großes Marktpotenzial unterstellt wird.

„Die letzten zwölf Monate haben gezeigt, dass die USA nicht allein das Maß der Länder-Performances sind“, stellt Lutz Neumann fest. Erzielte der MSCI USA Index auf Sicht von einem Jahr (per 29.1.2021) eine Performance von plus 16 Prozent, liegt der MSCI China Index sogar bei plus 39 Prozent. Dabei mag die schnelle Erholung der chinesischen Wirtschaft nach dem ersten Einbruch 2020 eine wichtige Rolle spielen – doch auch langfristig stehen die Chancen für eine chinesische Stärkephase auch am Aktienmarkt gut. „Das Beispiel zeigt stellvertretend die Kraft, die in den Schwellenländern steckt. Es ist daher sinnvoll, grundsätzlich auch die Emerging Markets bei der Portfolioaufteilung zu berücksichtigen“, sagt Lutz Neumann.

Nur große Unternehmen als Renditetreiber?

Wer kommt besser durch die Krise: große oder kleinere Unternehmen? Nach Ansicht von Lutz Neumann ist dies ebenfalls eine Frage, bei der sich Anleger weder ausschließlich für das eine noch für das andere entscheiden sollten. Vielmehr gelte auch hier, eine gute Mischung zu wählen. In Krisenzeiten tendierten viele Anleger nach Beobachtung des Anlageexperten jedoch eher zu den großen „Blue Chips“, weil diese bekannter seien und somit mehr Vertrauen ausstrahlten. Die Corona-Pandemie zeige, dass gerade dies ein Trugschluss sei und vielmehr eine Streuung auch über Werte aus der zweiten und dritten Reihe – was die Größe anbelangt – sinnvoll ist.

Beispiel DAX, MDAX, SDAX: Der DAX erzielte auf Sicht eines Jahres (per 29.1.2021) eine Performance von 1 Prozent – der MDAX dagegen von 9 Prozent, der SDAX sogar von 21 Prozent. „Eine Beimischung auch von kleineren Werten ist sinnvoll. Doch auch hier gilt: Vorsicht bei Einzelwerten, deren Kurse gerade zu explodieren scheinen. Generell gilt sowohl für große als auch für kleine Unternehmen, dass Momentaufnahmen nie eine gute dauerhafte Anlagelösung sind und ein Investment nur über eine breite Marktabdeckung erfolgen sollte“, erklärt Lutz Neumann. 

Kombination von Indexfonds und Einzeltitelauswahl weltweit

Was bedeutet die aktuelle Situation für Anleger? Nach Meinung von Lutz Neumann kommt es nun ganz besonders darauf an, keine unnötigen Risiken einzugehen. Die beispielhafte Darstellung zeige, dass das, was zuletzt insbesondere am Aktienmarkt passiert sei, nicht als beliebig sich fortsetzender Trend angesehen werden sollte. „Nur Technologie, USA und Wachstum als Anlagebestandteile sind nicht sinnvoll, sondern gefährlich – ebenso wie andere Narrative, die Anleger zu einer einseitigen Ausrichtung ihrer Portfolios verleiten könnten. Gerade jetzt kommt es darauf an, ein Portfolio immer wieder auf seine Ausgewogenheit hin zu überprüfen. Grundsätzlich gibt es keine neuen Gleichungen am Kapitalmarkt, sondern es bleibt alles beim Alten: Diversifikation ist Trumpf. Die Herausforderung besteht vor allem darin, die Märkte möglichst breit abzudecken“, sagt der Experte. Die Sutor Bank setzt dazu in ihrer Vermögensverwaltung auf eine Kombination aus kostengünstigen Indexfonds sowie ergänzend Einzelaktien und Einzelanleihen, die möglichst breit weltweit gestreut und je nach Risikoprofil des Kunden in unterschiedlicher Gewichtung kombiniert werden.