Moventum: Chancen in den Nischen

Die konjunkturelle Lage in den großen Volkswirtschaften ist noch relativ solide. Gleichzeitig verändern geopolitische Spannungen, höhere Zinsen und strukturelle Engpässe die Kapitalmärkte – eine einfache Fortsetzung der breiten Aktienrallye ist daher unwahrscheinlich. „Die potenziellen Gewinner muss man nun genauer suchen“, so Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. Chancen entstehen vor allem dort, wo Energie, Rohstoffe, KI-Infrastruktur und regionale Verlagerungen aufeinandertreffen.

Die Aktienmärkte in den USA und Europa bleiben fundamental gestützt. In den USA sorgen starke Unternehmensgewinne, stabile Konjunkturdaten und der strukturelle KI-Investitionszyklus für Rückenwind; in Europa wirken moderate Bewertungen, Fiskalimpulse und robuste Gewinne stabilisierend. Zugleich spricht das verschärfte geopolitische Umfeld gegen eine einfache Fortsetzung der bisherigen Index-Rallye.

„Höhere Inflationserwartungen, steigende Renditen und geopolitische Risiken deuten auf eine Marktphase hin, die stärker von Rotation und deutlicherer Selektion geprägt sein dürfte“, erklärt Fischer. Nicht die breite Indexbewegung, sondern die Unterscheidung zwischen strukturellen Gewinnern und Verlierern wird für Anleger zunehmend entscheidend.

Besonders interessant bleiben derzeit einige Nischen, in denen strukturelle Nachfrage auf geopolitische Knappheit trifft. Industriemetalle profitieren von der Elektrifizierung, vom Ausbau von Rechenzentren, von Netzinvestitionen und globalen Infrastrukturprogrammen; zugleich verschärfen fragmentierte Lieferketten, höhere Transportkosten und geopolitische Spannungen die Angebotsrisiken und schaffen damit bei den Anbietern Raum für steigende Umsätze. Lateinamerika steht dabei als rohstoffreiche Region im Fokus, insbesondere wegen Kupfer, Aluminium und weiteren strategischen Vorprodukten.

Für Lateinamerika spricht neben dem Rohstoffprofil auch das attraktive Bewertungsniveau in Teilen der Region. „Brasilien gewinnt durch sinkende Inflation und einen beginnenden Zinssenkungszyklus an Unterstützung“, so Fischer. „Mexiko gilt als struktureller Nearshoring-Gewinner.“ Das Land profitiert von Neuordnung globaler Lieferketten und von deren Konzentration auf Nordamerika.

Ähnliches gilt für Osteuropa. Die Region zeigt robuste Fundamentaldaten, wird durch Reindustrialisierung, EU-Kapitalflüsse und attraktive Bewertungen gestützt und rückt für Investoren als Ziel für Produktionsverlagerungen und Lieferkettenabsicherung stärker in den Vordergrund. „Besonders Polen festigt seine Rolle als Leitmarkt in Mittel- und Osteuropa“, sagt Fischer. Politische Risiken bleiben allerdings dies- wie jenseits des Atlantiks zu beachten – insbesondere die brasilianischen Präsidentschaftswahlen 2026.

Ein weiteres strukturelles Thema ist die Energieinfrastruktur. Der Ausbau von KI, Cloud-Computing, Robotik, Rechenzentren und industrieller Elektrifizierung erhöht weltweit den Bedarf an Stromnetzen, Speichern, Netzstabilisierung und intelligenter Versorgungstechnik. In Europa verschärft sich diese Dynamik durch den Anspruch auf strategische Autonomie, Verteidigungsfähigkeit und energetische Unabhängigkeit vom Ausland.

Auch im Technologiesektor verschiebt sich der Fokus weg von der reinen KI-Euphorie hin zur realen Monetarisierung der Wertschöpfungskette. Gefragt bleiben hardwarenahe Segmente wie Halbleiter, KI-Infrastruktur, Speicherchips, industrielle Automatisierung, Robotik und digitale Produktivitätslösungen; gleichzeitig nimmt die Marktkonzentration zu, weil ein großer Teil der Performance von wenigen Titeln aus den USA, Taiwan und Südkorea getragen wird.

„Der globale KI- und Infrastrukturzyklus hat massive Kapitalflüsse in diese Segmente ausgelöst und Taiwan sowie Südkorea zu zentralen Treibern der gesamten Anlageklasse gemacht“, erklärt Fischer. Dadurch wachse die Abhängigkeit der Emerging Markets von wenigen Technologie- und Hardware-Narrativen. Die Marktstruktur ähnelt damit teilweise jener der USA, wo ebenfalls nur wenige Mega-Caps und KI-Titel einen erheblichen Teil der Performance bestimmen. „Insgesamt“, fasst Fischer zusammen, „sind attraktive Teile des Marktes derzeit dort zu finden, wo strukturelle Knappheiten, technologische Transformation und geopolitische Neuordnung zusammenlaufen.“

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