Moventum: Die WM wird zum Stresstest für das US-System

Die Fußball-WM, die in wenigen Wochen in den USA, Kanada und Mexiko beginnt, droht zum Stresstest für Amerikas politische und organisatorische Leistungsfähigkeit zu werden: Sicherheitsengpässe, Verzögerungen und Investitionsrisiken häufen sich. „Ausgerechnet die größte Volkswirtschaft der Welt hat Schwierigkeiten, aus einem sportlichen Großereignis einen wirtschaftlichen und politischen Erfolg zu machen“, kommentiert Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.

Wenn am 11. Juni die Fußballweltmeisterschaft 2026 in den USA, in Mexiko und Kanada startet, wird sie nicht nur zum sportlichen, sondern auch zum politischen Ereignis. Denn ausgerechnet der Mitgastgeber USA steht im eigenen Land vor erheblichen operativen Herausforderungen.

Beispiel Heimatschutzministerium: Nach fast zwei Monaten teilweiser Stilllegung infolge politischer Blockaden drohen erhebliche Nachwirkungen – mitten hinein in die Hochphase des Turniers. Zwar zeichnet sich im Kongress eine Einigung zwischen Republikanern und Demokraten zur Wiedereröffnung des Ministeriums ab. Doch die Folgen des über acht Wochen andauernden Shutdowns sind real: Hunderte Mitarbeiter der Transportation Security Administration haben ihre Posten aufgegeben. Der Wiederaufbau der Kapazitäten wird nach Einschätzung interner Stellen Monate dauern.

Beispiel Flughäfen: Gerade während der Fußball-WM werden Millionen zusätzliche Reisende erwartet. Sie treffen auf ohnehin ausgedünnte Sicherheitsstrukturen. Experten warnen vor drastisch längeren Wartezeiten, möglichen Flugverspätungen und einem erheblichen Reputationsrisiko für die USA als Gastgeberland.

Beispiel Austragungsorte: Das hochmoderne SoFi Stadium in Inglewood, Los Angeles, gilt als eines der Aushängeschilder der WM. Lokalbehörden geben sich offiziell optimistisch, doch hinter den Kulissen herrscht Unsicherheit. Die zugesagten Bundesmittel in Höhe von rund 625 Millionen US-Dollar zur Sicherheits- und Infrastrukturfinanzierung fließen nur zögerlich: ein klassisches Beispiel für „too little, too late“.

Auch die innenpolitische Lage wirkt sich auf die WM-Ökonomie aus. Die wieder verschärfte Migrationspolitik unter Donald Trump führt zu einer verstärkten Präsenz der Einwanderungsbehörde ICE an Flughäfen und Grenzübergängen. Erste Daten zeigen, dass die Zahl internationaler Besucher sinkt. Ein an sich weicher Faktor, doch mit harten wirtschaftlichen Konsequenzen für Tourismus, Hotellerie und lokale Dienstleister.

Damit ist fraglich, ob die WM das erhoffte ökonomische Wachstum bringen kann. Die US-Regierung rechnet mit einem zusätzlichen Wirtschaftseffekt von rund 30 Milliarden US-Dollar und bis zu 185.000 neuen Jobs durch das Turnier. „Diese Annahmen basieren aber auf reibungslosen Reiseabläufen und funktionierenden Logistikketten“, so Fischer. „Beides steht derzeit infrage.“ Kommunen fürchten zudem, auf zusätzlichen Infrastruktur- und Sicherheitskosten sitzen zu bleiben, sollte die erhoffte Besucherflut ausbleiben.

Laut Fischer zeigt sich für Investoren und Marktbeobachter an der WM ein neues Muster: Politische Dysfunktion wird zum operativen Risiko. Was früher als „Washington Noise“ abgetan wurde, beeinflusst nun direkt die Realwirtschaft und Großveranstaltungen. Die Event-Ökonomie – bislang ein Garant für Wachstum – wird durch die fehlende politische Funktionsfähigkeit infrage gestellt.

Der Rückgang internationaler Reisen könnte als Frühwarnsignal dienen. „Das Vertrauen in die USA als globaler Knotenpunkt ist nicht mehr selbstverständlich“, erklärt Fischer. Entsprechend sollten Anleger bei eventgetriebenen Investments im US-Dienstleistungssektor oder in Infrastrukturprojekten steigende Kosten- und Verzögerungsrisiken einkalkulieren.

Zudem könnte die aktuelle militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran zu einer Sondersituation führen – mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Turnierteilnahme des Iran. Sowohl ein Teilnahmeverzicht des Iran als auch indirekter politischer Druck, der die Einreise der Mannschaft erschwert oder verhindert, erscheinen derzeit nicht ausgeschlossen. Damit wäre die WM in ihrer Rolle als vermeintlich unpolitisches, global verbindendes Mega-Event spürbar belastet. Zugleich würde sich ein strukturelles Muster bestätigen: Geopolitische Spannungen wirken nicht mehr nur indirekt, sondern greifen zunehmend unmittelbar in die operativen Abläufe globaler Großereignisse ein – mit entsprechenden Folgen für Planungssicherheit, Nachfrage und Investitionsrenditen.

Mehr unter www.moventum.lu