Moventum: Rentenmärkte: Carry-Chancen bei begrenztem Risikopuffer

Der Krieg in Nahost hat die Zinsen weltweit spürbar bewegt. Auch am Rentenmarkt hängt alles ab von Dauer und Intensität der Kämpfe. Bleiben beide begrenzt, so bieten Festverzinsliche in Europa und den USA weiter stabile Erträge. „Und wer nach mehr sucht, kann in den Schwellenländern fündig werden“, sagt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.

Die jüngste Eskalation im Nahen Osten hat die Energiepreise nach oben getrieben, ihnen folgten Inflationserwartungen und Anleiherenditen. Das verschiebt den Zinspfad in der Eurozone: Während vor Beginn des Krieges kaum weitere Zinsschritte der EZB eingepreist waren, erwarten die Märkte bis Ende 2026 nun bis zu drei Erhöhungen um jeweils 25 Basispunkte. „Kurzfristig rechnen wir für Euro-Staatsanleihen dennoch mit einem weitgehend neutralen Umfeld“, erklärt Fischer, „die Renditen haben sich nach dem Anstieg stabilisiert.“

Komplexer ist die Lage allerdings am langen Ende der Zinskurve. Die vor der Eskalation grundsätzlich moderaten Inflationsraten in der Eurozone wirken stabilisierend. Gleichzeitig steigern höhere Ausgaben für Infrastruktur, Verteidigung und wirtschaftspolitische Maßnahmen den strukturellen Finanzierungsbedarf vieler Mitgliedstaaten. Mehr Schulden bedeutet mehr Staatsanleihen, was gerade bei längeren Laufzeiten die Renditen nach oben drückt.

Für deutsche Bundesanleihen liegt die Rendite der zehnjährigen Papiere in der zweiten Märzhälfte bei rund 3,0 Prozent und damit auf erhöhtem Niveau. „Bei einer Entspannung der geopolitischen Lage erscheint eine Rückkehr in das zuvor etablierte Renditeband von etwa 2,5 bis 2,75 Prozent plausibel“, so Fischer. Innerhalb der Eurozone nehme die Differenzierung zu: Länder mit hohen Schuldenständen und expansiven Fiskalprogrammen dürften stärker schwankende Renditen sehen, während Kernländer wie Deutschland und die Niederlande stabilisierend wirken. „Insgesamt“, so Fischer, „erwarten wir trotz der erhöhten Unsicherheit kurz- bis mittelfristig ein weitgehend neutrales Umfeld für Euro-Staatsanleihen.“

Im europäischen Hochzins-Segment haben die Risikoprämien im Gefolge höherer Energiepreise, steigender Inflationserwartungen und Renditen leicht angezogen. Die Zinsaufschläge liegen nach Ausbruch des Nahostkonflikts bei rund 335 Basispunkten und damit weiterhin unter ihren langfristigen Durchschnittsniveaus. „Die vergleichsweise engen Spreads begrenzen aber den Spielraum bei unerwarteten makroökonomischen oder finanziellen Schocks“, mahnt Fischer. Möglicher Stress dürfte allerdings zunächst eher im Private-Debt-Segment sichtbar werden, bevor er auf die liquiden High-Yield-Märkte übergreift.

Auch europäische Investment-Grade-Unternehmensanleihen verzeichneten zuletzt eine moderate Ausweitung der Credit Spreads. In der zweiten Märzhälfte liegen die Risikoprämien jedoch nur bei rund 70 Basispunkten, was die robuste Fundamentallage vieler Emittenten und die anhaltend solide Nachfrage institutioneller Investoren widerspiegelt. In der Summe geht Fischer von einem stabilen, neutralen Umfeld aus.

Eine ähnliche Lage zeigt sich jenseits des Atlantiks. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist auf über 4,35 Prozent geklettert, auch hier wirken geopolitische Risiken sowie strukturell hohe Staatsausgaben. Dennoch erwartet Fischer über alle Laufzeiten eine weitgehend neutrale Entwicklung, zumal die Marktteilnehmer mögliche Zinssenkungen der Federal Reserve inzwischen stärker in die zweite Jahreshälfte verlagern – sofern diese überhaupt noch umgesetzt werden.

Im US-High-Yield-Segment haben sich die Spreads in den vergangenen Wochen ebenfalls leicht ausgeweitet und liegen in der zweiten Märzhälfte bei circa 355 Basispunkten – weiterhin unter ihrem langfristigen Durchschnitt. Mit einer Rendite von rund 7,40 Prozent bleibt das absolute Ertragsniveau attraktiv, zugleich stützen die stabile Kreditqualität vieler Emittenten die Nachfrage. Insgesamt bleiben US-Hochzinsanleihen daher auf Drei- und Zwölf-Monats-Sicht neutral. US-Investment-Grade-Anleihen zeigen ein ähnliches Bild: „Bei einer Rendite von etwa 5,20 Prozent bleibt das Segment für institutionelle Anleger attraktiv“, urteilt Fischer. „Hier bleibt unsere Einschätzung ebenfalls bei neutral.“

Nicht unberührt von der militärischen Eskalation blieben auch die Schwellenländermärkte. Die Renditen von Emerging-Markets-Staatsanleihen sind seit Mitte März im Durchschnitt auf etwa 6,25 Prozent gestiegen. „Doch Durchschnittswerte haben hier keine große Aussagekraft“, so Fischer. Denn innerhalb der Assetklasse verstärkt sich die Differenzierung zwischen Hartwährungs- und Lokalwährungsanleihen. Hartwährungsanleihen folgen eng dem globalen Zinsumfeld und den Erwartungen an die US-Geldpolitik und werden kurzfristig neutral eingeschätzt. Lokalwährungsanleihen profitieren dagegen von attraktiven Realrenditen, potenziellen Währungsaufwertungen und dem geldpolitischen Spielraum vieler Notenbanken, die ihren Straffungszyklus früher begonnen haben und nun graduell lockern können.

Darüber hinaus nimmt die Heterogenität innerhalb der Schwellenländer weiter zu. „Unterschiede in ökonomischen Fundamentaldaten, Schulden und politischen Rahmenbedingungen machen eine pauschale Betrachtung zunehmend obsolet und erhöhen den Stellenwert aktiver Länder- und Emittentenselektion“, erklärt Fischer. In Lateinamerika profitieren insbesondere Brasilien und Argentinien von stabileren Rahmenbedingungen und robusten Rohstoffmärkten, während Teile Südostasiens durch solide Wachstumsdynamik und eine stärkere Integration in globale Lieferketten gestützt werden.

Über alle Segmente hinweg gilt: Abgesehen von der aktuellen geopolitischen Situation ist das Umfeld an den Rentenmärkten überwiegend neutral, in Teilen konstruktiv-stabil – mit guten Carry-Chancen, aber wenig Reserven bei unerwarteten Turbulenzen.

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