Moventum: Wie sich Sparer still und leise selbst enteignen

Europas Sparer verlieren still Vermögen: Billionen lagern unverzinst auf Konten, während die Inflation die Kaufkraft frisst. „Europas größte Fehlallokation von Kapital sitzt womöglich nicht an der Börse — sondern auf Giro- und Tagesgeldkonten“, kommentiert Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.

Es ist seit Langem bekannt: Die meisten Sparer scheuen das Risiko, sie wünschen sich Sicherheit und tragen ihr Erspartes dorthin, wo sie es sicher wähnen. Das Problem: Genau an diesen Orten ist der Wertverlust keine Möglichkeit, sondern unausweichlich. Rund 14 Billionen Euro halten Europas Haushalte schätzungsweise auf Bankkonten, wo es real Jahr für Jahr schrumpft, dezimiert durch die Inflation.

„Das Problem ist alt, gewinnt derzeit aber an Brisanz“, so Fischer. Denn die Teuerungsrate lag zuletzt in Deutschland bei 2,9 Prozent, in den USA sogar bei 3,8 Prozent. Wer sein Geld in vermeintlich risikolosen Anlagen festhalten will, dem rinnt es durch die Finger. Inflation wirkt dabei wie eine unsichtbare Vermögenssteuer: langsam, stetig und politisch kaum spürbar. Gleichzeitig profitieren Banken von diesem Verhalten. Hohe Einlagen bleiben für sie eine günstige Refinanzierungsquelle, während steigende Zinsen ihre Margen stabilisieren.

Parallel dazu verschärft sich ein struktureller Zielkonflikt: Während Staaten zunehmend auf private Altersvorsorge und Kapitalmarktbeteiligung setzen, verharren große Teile des Vermögens in niedrig verzinsten Einlagen. Europas Wirtschaft benötigt privates Kapital für Wachstum und Innovation – doch das Vertrauen in den Kapitalmarkt bleibt begrenzt. „Die Bevölkerung sucht Sicherheit“, so Fischer, „das System aber braucht Risikoübernahme.“

Diese Entwicklung hat weitreichende gesellschaftliche Folgen. Eine alternde Bevölkerung, kombiniert mit geringer Kapitalmarktpartizipation und anhaltender Inflation, gefährdet langfristig nicht nur individuelle Vermögen. Sie gefährdet auch die finanzielle Resilienz ganzer Volkswirtschaften.

Für Anleger sollte sich daraus ein Umdenken ergeben: Liquidität bleibt wichtig, doch dauerhaft hohe Cash-Quoten können in einem inflationären Umfeld selbst zum Risiko werden. Die zentrale Frage verschiebt sich damit grundlegend: weg von „Wie sicher ist mein Geld?“ hin zu „Wie sicher ist meine Kaufkraft in zehn Jahren?“

„Das ist die vielleicht unbequemste Erkenntnis, der wir uns stellen müssen“, erklärt Fischer. „Das größte Risiko vieler Sparer ist heute womöglich nicht der Kapitalmarkt – sondern die Angst vor ihm.“

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