Das Börsenjahr 2025 war geprägt von außergewöhnlicher Volatilität. Insbesondere Zollankündigungen der US-Regierung sorgten immer wieder für starke Kursausschläge an den internationalen Aktienmärkten. Viele Anleger stellten sich die Frage: aussteigen oder durchhalten? Eine aktuelle Analyse der Hamburger Sutor Bank zeigt: Wer in diesen turbulenten Zeiten versuchte, durch Market Timing Verluste zu vermeiden, riskierte massive Renditeeinbußen. Bereits das Verpassen von nur drei der besten Börsentage hätte die DAX-Rendite 2025 mehr als halbiert. Beim MSCI World zeigte sich ein ähnliches Bild, beim Nasdaq waren die Folgen noch dramatischer.
Drei verpasste Tage kosten mehr als die Hälfte der DAX-Rendite
Der DAX erzielte 2025 eine Gesamtperformance von 21,3 Prozent. „Auf den ersten Blick ist das ein sehr erfreuliches Ergebnis“, sagt Mathias Beil, Leiter Private Banking der Sutor Bank. „Doch unsere Analyse zeigt, wie fragil dieser Erfolg ist, wenn man zum falschen Zeitpunkt nicht investiert war.“ Wer die drei besten Börsentage des Jahres verpasste, erzielte nur noch eine Rendite von 8,9 Prozent – weniger als die Hälfte. Bei fünf verpassten Tagen schrumpfte die Performance auf 3,1 Prozent, bei zehn verpassten Tagen rutschte der DAX sogar ins Minus: -7,4 Prozent.
Beim MSCI World zeigt sich ein ähnliches Bild: Von 19,9 Prozent ging es auf 8,1 Prozent bei drei verpassten Tagen. Besonders dramatisch fiel die Entwicklung beim Nasdaq aus: Hier verwandelte sich eine positive Jahresperformance von 22,5 Prozent in ein Minus von 13,5 Prozent, wenn die zehn besten Börsentage verpasst wurden – ein Unterschied von 36 Prozentpunkten. Selbst wenn nur die drei besten Tage verpasst wurden, war der Rückgang um rund 20 Prozentpunkte bereits erheblich.

Hohe Volatilität im Zolljahr 2025 – die Nähe von Crash und Rally
Die außergewöhnliche Volatilität des Jahres 2025 war vor allem durch Zollankündigungen der US-Regierung getrieben. Am 2. April verkündete Präsident Trump seinen sogenannten „Liberation Day“, mit umfassenden Zollmaßnahmen gegen China und weitere Handelspartner. Die Märkte reagierten in den Folgetagen mit den stärksten Kurseinbrüchen des Jahres. Für den DAX war der 4. April mit -4,95 Prozent der schlechteste Börsentag des Jahres, gefolgt vom 7. April mit -4,13 Prozent, als es zu weiteren Zollankündigungen kam. Doch nur drei Tage später, am 10. April, schoss der DAX um 4,53 Prozent nach oben, als eine temporäre Zollpause verkündet wurde. Der 10. April war damit der stärkste DAX-Börsentag 2025.
Noch drastischer verlief die Entwicklung beim MSCI World und beim Nasdaq: Am 4. April brach der MSCI World um 5,84 Prozent ein, der Nasdaq sogar um 6,07 Prozent. Nur fünf Tage später, am 9. April, erlebten beide Indizes ihre stärksten Kursgewinne des gesamten Jahres: Der MSCI World legte 6,47 Prozent zu, der Nasdaq sprang um beeindruckende 12,02 Prozent nach oben.
„Die Zollsorgen rund um Halbleiter sorgten für extreme Kursschwankungen besonders beim Nasdaq. Die KI-Euphorie wiederum sorgte für einen zusätzlichen Auftrieb im vergangenen Jahr“, kommentiert Mathias Beil.
Viele Anleger würden in solchen Momenten mit besonders hoher Volatilität vor allem einen Aspekt nicht bedenken: „Die besten Börsentage folgen oft unmittelbar auf die schlechtesten. Wer in Panik verkauft, verpasst häufig die anschließende Erholung“, erklärt Beil.
Die Erkenntnis, dass wenige verpasste Börsentage die Rendite dramatisch schmälern, ist nicht neu. Bereits in früheren Untersuchungen der Sutor Bank aus den Jahren 2016 und 2019 zeigte sich dieses Muster. Damals analysierten die Private-Banking-Experten Zeiträume von bis zu 31 Jahren und kamen zu ähnlichen Schlussfolgerungen: Beim DAX reichten 13 verpasste beste Tage über drei Jahrzehnte, um die Rendite zu halbieren.
„Was 2025 besonders ist: Die Konzentration der Volatilität auf wenige Wochen im Frühjahr“, sagt Mathias Beil. „Innerhalb von nur zehn Tagen zwischen dem 3. und 14. April ereigneten sich sowohl die dramatischsten Einbrüche als auch die stärksten Erholungen des gesamten Jahres. Wer in dieser Phase falsch reagierte, konnte seine Jahresrendite komplett zunichtemachen.“
Die Lehre aus 2025: Buy and Hold
Die Auswertung unterstreicht eine grundlegende Börsenweisheit: Langfristig orientierte Anleger sollten auch in turbulenten Zeiten investiert bleiben. „Market Timing funktioniert nicht“, betont Mathias Beil. „Kein Investor schafft es, die besten und schlechtesten Tage vorherzusagen. Für Privatanleger ist der Versuch, den Markt zu timen, in den allermeisten Fällen ein Verlustgeschäft.“
Dabei entstünden dann, wenn die Angst am größten ist und viele zum Verkauf neigten, die größten Renditechancen. „Wer in solchen Momenten die Nerven behält und investiert bleibt, wird langfristig belohnt“, führt Mathias Beil aus. Das Jahr 2025 war aus Sicht von Mathias Beil somit ein eindrucksvolles Lehrstück darüber, wie wichtig Disziplin und eine langfristige Perspektive beim Investieren sind.

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