Alles hat seinen Preis, auch die Energie aus Wind und Sonne. Aber wie viel kosten die Erneuerbaren und was bringt ihr Verkauf den Erzeugern? Und wie erklärt es sich, dass der Solarstrom im September an der Börse im Schnitt nur rund 56 Prozent des durchschnittlichen Strompreises erlöste? „Hier gibt es eine Reihe von Kennzahlen, die für Investoren bedeutsam sind“, so Andreas Ehrbar, Chief Operating Officer der aream Group. Dazu zählen etwa der Monatsmarktwert und der gewichtete Durchschnitt der EEG-Vergütungssätze. Was unterscheidet die beiden und wie hängen sie zusammen?
Sowohl der Monatsmarktwert (MMW) wie auch der gewichtete Durchschnitt der EEG-Vergütungssätze sind Preise für erzeugte Energie, ausgedrückt in Cent oder Euro je Einheit. Der Monatsmarktwert leitet sich ab aus dem Spotmarktpreis, also dem Preis für eine Viertelstunde am Day-Ahead-Strommarkt und beziffert den durchschnittlichen, mengengewichteten Börsenerlös pro erzeugter Kilowattstunde aus einer erneuerbaren Technologie in einem Kalendermonat – etwa für Solar, Wind an Land oder Wind auf See. Er zeigt also, welchen Preis der Strom dieser Technologie im Monatsdurchschnitt am Day-Ahead-Spotmarkt erzielt hätte.
„Der Monatsmarktwert gilt bundesweit, nicht für die einzelne Anlage“, erklärt Ehrbar. Ein Park mit ungünstigem Erzeugungsprofil erziele am Markt real weniger. Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber berechnen die Werte monatlich und veröffentlichen sie bis zum zehnten Werktag des Folgemonats auf netztransparenz.de. Der Monatsmarktwert ist die Referenz für die Berechnung der Marktprämie und dient in vielen Direktvermarktungsverträgen als Abrechnungspreis.
Der gewichtete Durchschnitt der EEG-Vergütungssätze wiederum ist die durchschnittliche EEG-Vergütung pro eingespeister Kilowattstunde für geförderte Anlagen und Technologien. Gewichtet wird dabei mit der jeweils eingespeisten oder vorhergesagten Strommenge. Der gewichtete Durchschnitt bildet für ein Asset, das aus mehreren Erzeugungsanlagen mit unterschiedlichen EEG-Vergütungssätzen besteht, oder auch für ein ganzes Portfolio eine Kennzahl für den EEG-Wert in Abhängigkeit von der erzeugten Energie.
Normiert man den Vergütungssatz auf den in der Projektphase modellierten beziehungsweise errechneten Energieertrag, so erhält man einen für die Förderdauer fixen Wert, der ein Gradmesser für das Erlöspotenzial der Anlage ist, erklärt Ehrbar. „Der Wert kann im Reporting als Performance-Indikator verwendet werden.“
Beide Größen sind also mengengewichtete Durchschnitte pro Kilowattstunde, messen aber unterschiedliche Seiten: Der Vergütungsdurchschnitt gibt an, wie viel EEG-Vergütung im Durchschnitt je Kilowattstunde gezahlt wird. Der Monatsmarktwert gibt an, wie viel der Strom einer bestimmten Technologie im Durchschnitt am Markt erlöst hätte.
Auch wenn sich beide Werte zuweilen parallel bewegen: „Statistisch gibt es keine direkte Korrelation“, so Ehrbar. Die Vergütungssätze seien fix, der Marktwert hingegen schwanke monatlich. Indirekte Zusammenhänge bestehen trotzdem. So erhöhen zum Beispiel Inflation, steigende Zinsen und Anlagenpreise die Gestehungskosten und damit die Gebote in den EEG-Ausschreibungen. Dieselben Faktoren treiben oft auch die Strompreise. Dies betreffe aber nur neue Zuschläge, nicht den Bestand. In umgekehrte Richtung wirke der Kannibalisierungseffekt: So führt mehr Förderung zu mehr Zubau und mehr Zubau senkt den Marktwert der eigenen Technologie.
Für den Erlös einer geförderten Anlage hängen beide Größen direkt zusammen. „Der Monatsmarktwert ist ein Marktpreis, den der Markt bestimmt. Der gewichtete Durchschnitt der EEG-Vergütungssätze ist ein Förderniveau, das Gesetz oder Zuschlag festlegen“, sagt Ehrbar. Die Marktprämie gleicht die Differenz aus: Je niedriger der Marktwert, desto mehr muss sie ausgleichen. Seit Februar 2025 entfällt dieser Ausgleich allerdings für neue Anlagen in Stunden mit negativen Strompreisen.
„Für Investoren ist deshalb der Abstand zwischen dem Marktwert Solar und dem durchschnittlichen Börsenpreis die wichtigste Kennzahl“, sagt Ehrbar. Im September 2026 lag der Monatsmarktwert Solar bei 8,18 Cent je Kilowattstunde, der durchschnittliche Spotmarktpreis bei 14,48 Cent. Solarstrom erlöste damit nur rund 56 Prozent des Durchschnittspreises, weil alle Solarparks gleichzeitig einspeisen, wenn Strom ohnehin günstig ist. „Diese Lücke schließt ein Batteriespeicher direkt am Solarpark, der den Mittagsstrom in die teuren Abendstunden verschiebt“, so Ehrbar.

