aream: Negative Strompreise: ein Weckruf und eine Chance

Alles hat seinen Preis, im Leben bekommt man nichts geschenkt. An den Strombörsen scheint diese Regel immer mal wieder außer Kraft gesetzt, wenn es zu negativen Preisen für Strom kommt. Oberflächlich betrachtet ist der Grund dafür eine vorübergehende Überproduktion. „Tatsächlich aber sind Negativstunden ein sinnvolles Marktsignal und bieten Chancen“, kommentiert Patrick Lemcke-Braselmann, CEO der aream Group. „Sie zeigen: Wer Flexibilität bietet, verwandelt Preistäler in Rendite.“

Negativpreise klingen zunächst paradox: Produzenten zahlen dafür, dass jemand ihren Strom abnimmt. Der Grund liegt in einer Asymmetrie zwischen Angebot und Nachfrage. Wind und Solar produzieren je nach Wetter mehr oder weniger und zum Teil sind die Anlagen tatsächlich nicht fein steuerbar. Zudem aber sind es oft die unflexiblen Kohlekraftwerke, die von den Betreibern nur sehr ungern auf Null gefahren werden, sondern immer auch laufen, wenn viel Strom aus grünen Quellen zur Verfügung steht. Ein Überangebot an Strom sorgt dann für negative Preise, wenn auch nur kurzfristig.

„Hier machen Speicher und andere Formen der Flexibilisierung wie ein Smart-Meter-Roll-out den Unterschied: Sie reduzieren die Last im System und der Strom kann in den Stunden abgerufen werden, wenn er benötigt wird“, so Lemcke-Braselmann. „Damit wird Geld verdient.“

2012 gab es nur wenige Stunden mit negativen Day-Ahead-Strompreisen an der Börse. Inzwischen ist ihre Zahl deutlich gewachsen. Bis 20. August waren es seit Jahresbeginn fast 400, der Tiefstpreis lag bei knapp minus 50 Cent/kWh. Immerhin waren es im Vergleich zu 2025 etwa 50 Stunden weniger. „Diese Entwicklung zeigt, dass Speicher erste Wirkungen entfalten“, erklärt Lemcke-Braselmann. „Auch der heiße Sommer in Europa und die damit verbundene hohe Stromnachfrage zur Kühlung haben dazu geführt, dass in diesem Jahr weniger Negativpreisstunden angefallen sind.“

„Verkürzt ist allerdings die Darstellung, negative Preise seien ein Zeichen dafür, dass es zu viel Solarstrom gibt“, erklärt Lemcke-Braselmann. Denn zum einen sind auch die fossil betriebenen Kraftwerke an der Überschussproduktion beteiligt. Die tiefer liegenden Ursachen sind aber fehlende Speicherinfrastruktur sowie unzureichender Netzausbau. „Negativpreise sind kein Marktversagen, sondern ein sinnvolles Marktsignal“, so Lemcke-Braselmann. „Sie zeigen, dass Speicher und flexible Lastenverteilung dringend benötigt werden.“

Die langfristige Lösung sind also Investitionen in die Speicherinfrastruktur, in deutsche Netze sowie in eine europäische Netzintegration für Stromausgleich über Grenzen hinweg. „Negativpreise sind nur das sichtbare Symptom dafür, dass die Infrastruktur der Stromerzeugung hinterherhinkt“, sagt Lemcke-Braselmann. Doch gerade von den Erneuerbaren brauche es zusammen mit weiteren Speichern deutlich mehr, um die Abhängigkeit von Gas und Kohle auf ein Minimum zu reduzieren. „Erst dann wird vor allem das auf der anderen Seite zu Buche schlagende, sehr teure Gas den Strompreis nur noch in sehr wenigen Stunden bestimmen“, erklärt Lemcke-Braselmann.

Mit weiteren Speichern, besserer Koordination und flexibleren Verbrauchern können PV und Wind ihr volles ökonomisches Potenzial entfalten: „Negative Strompreise sind insofern kein Alarmsignal, sondern vor allem eine Chance“, sagt Lemcke-Braselmann. Sie zeigen, dass der Markt Flexibilität bepreist – nicht nur die Erzeugung. Wer PV-Strom kombiniert mit Speichern anbietet, kann von Preistälern profitieren. „Die attraktivste Investitionschance in der nächsten Wachstumsstufe ist deshalb die Kombination aus Erzeugung und Speichern“, so Lemcke-Braselmann.