Manöver verkürzt: Südkorea und die USA drosseln die gemeinsamen Übungen, während der Westpazifik zum geopolitischen Epizentrum wird. Der strategische Wettbewerb zwischen Washington und Peking spitzt sich zu. „Das Südchinesische Meer birgt ein unterschätztes Eskalationsrisiko“, sagt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. Für Anleger gewinne daher geografische und geopolitische Diversifikation von Investments an Bedeutung.
Der strategische Wettbewerb zwischen den USA und China bestimmt die Weltlage – und entscheidet sich zunehmend im Westpazifik. Für Peking geht es um regionale Vorherrschaft, für Washington darum, freie Handelswege und den Zugang zu Asien zu sichern und gleichzeitig eine chinesische Dominanz zu verhindern.
Der gefährlichste Brennpunkt bleibt Taiwan: China erhöht den militärischen und politischen Druck auf die Insel kontinuierlich. Raketenübungen, Marineoperationen und eine stärkere Präsenz chinesischer Flugzeuge und Schiffe sollen demonstrieren, dass Peking seine Ansprüche notfalls militärisch durchsetzen könnte. Doch auch andere Länder sind Teil der Eskalationsgefahr: „Regelmäßige Konfrontationen zwischen China und den Philippinen rund um strittige Gebiete erhöhen das Risiko eines Zwischenfalls“, so Fischer. Besonders brisant: Die Philippinen sind ein formeller Verbündeter der USA. Aus einer regionalen Auseinandersetzung könnte damit schnell eine amerikanisch-chinesische Krise werden.
Auch Japan wird damit vom Zuschauer zum sicherheitspolitischen Schwergewicht. Die Regierung in Tokio erhöht ihre Verteidigungsausgaben auf mehr als zwei Prozent der Wirtschaftsleistung, verstärkt strategisch wichtige Inseln und vertieft ihre militärische Zusammenarbeit mit den Philippinen und anderen Partnern. Gemeinsam mit Australien entsteht damit schrittweise ein dichteres Sicherheitsnetz rund um China.
Ausgerechnet in dieser Situation wird Südkorea nun zum Unsicherheitsfaktor im amerikanischen Bündnisnetzwerk. Das Land spielt eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung Chinas und Nordkoreas und doch gerät dieses Bündnis unter Druck: Die USA und Südkorea verkürzen ihre Militärübung zur Abwehr eines möglichen nordkoreanischen Angriffs. US-Präsident Trump hatte zuvor auf seiner Online-Plattform angeordnet, die amerikanische Beteiligung deutlich zurückzufahren. Als Gründe nannte er die guten Beziehungen zum nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un sowie die Weigerung Südkoreas, sich am US-Krieg gegen Iran zu beteiligen. „Das wirft in Seoul Fragen über die Verlässlichkeit der amerikanischen Sicherheitsgarantie auf“, so Fischer, „und zeigt, dass Washingtons Herausforderung im Westpazifik nicht nur militärische Stärke, sondern auch der Zusammenhalt seiner Allianzen sind.“
Damit steht der Westen vor einem Ressourcenproblem: Die USA müssen gleichzeitig Europa, den Nahen Osten und den Indopazifik absichern. Verzögerte Waffenlieferungen an Taiwan und fehlende Produktionskapazitäten bei günstigeren Massensystemen wie Drohnen zeigen, dass militärische Abschreckung nicht nur eine Frage des Budgets, sondern zunehmend auch der industriellen Kapazitäten ist.
Was Asien zudem fehlt, ist eine Nato-ähnliche Sicherheitsstruktur. „Eine verbindliche Sicherheitsarchitektur wie in Europa existiert nicht“, erklärt Fischer. Gerade die aktuellen Spannungen zwischen Washington und Seoul zeigten, wie schnell politische Entscheidungen einzelner Regierungen die gemeinsame Abschreckung schwächen könnten.
Was bedeutet das für Anleger? Der Westpazifik ist nicht nur ein militärischer, sondern auch ein ökonomisch neuralgischer Ort: Taiwan und Südkorea sind zentrale Standorte der globalen Halbleiterindustrie, gleichzeitig verlaufen durch die Region wichtige Handels- und Schifffahrtsrouten. „Eine Eskalation könnte deshalb Technologieaktien, Lieferketten, Welthandel und asiatische Märkte gleichzeitig treffen“, mahnt Fischer. Für Anleger unterstreiche dies die Bedeutung geografischer Diversifikation und mache Verteidigung, Cybersicherheit sowie resilientere Lieferketten zu langfristig relevanten Investmentthemen.
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