Schwellenländer in Afrika und Lateinamerika werden von institutionellem Kapital nach wie vor eher gemieden, obwohl sie zu den wichtigsten Investitionsregionen für den Klimaschutz weltweit zählen. „Die globale Klimawende kann ohne die Emerging Markets nicht gelingen“, sagt Melanie Aimer, Chief Commercial Officer bei Finance in Motion, mit Blick auf die Diskussionen bei der London Climate Action Week 2026. „Es geht längst nicht mehr um die Frage, ob Interesse an Klimainvestitionen besteht. Die entscheidende Frage ist heute, wie Regierungen, Investoren, Versicherer, Banken und Entwicklungsinstitutionen die Voraussetzungen dafür schaffen können, dass Kapital die Realwirtschaft erreicht. Und das resilient, wirtschaftlich tragfähig und in der nötigen Größenordnung.“
Afrika: Energiezugang und eine ungedeckte Finanzierungslücke
Laut der Analyse „World Energy Investment 2025“ der Internationalen Energieagentur (IEA) haben in Afrika weiterhin rund 600 Millionen Menschen keinen Zugang zu Elektrizität, mehr als einer Milliarde Menschen fehlt der Zugang zu sauberen Kochmöglichkeiten. Gleichzeitig sind die Klimafinanzierungsströme auf den Kontinent gestiegen: Wie die Analyse- und Beratungsorganisation Climate Policy Initiative in ihrem Bericht „Landscape of Climate Finance in Africa 2024“ zeigt, wuchsen sie um 48 Prozent – von 29,5 Milliarden US-Dollar in den Jahren 2019/20 auf 43,7 Milliarden US-Dollar im Zeitraum 2021/22. 2022 wurde damit erstmals die Marke von 50 Milliarden US-Dollar jährlich überschritten.
Trotz dieses Wachstums werden derzeit nur 23 Prozent des geschätzten Klimafinanzierungsbedarfs Afrikas gedeckt. Im Zeitraum 2021/22 waren es lediglich 18 Prozent des jährlichen Bedarfs für Emissionsminderung und 20 Prozent des Anpassungsbedarfs. Zudem stammen laut Climate Policy Initiative 87 Prozent der erfassten Klimafinanzierungen Afrikas aus internationalen Quellen, während der Kontinent selbst über geschätzte 2,4 Billionen US-Dollar an verwaltetem Bank-, Versicherungs- und Pensionsvermögen verfügt. Dies verweist auf ein erhebliches, bislang ungenutztes Potenzial zur Mobilisierung heimischen Kapitals.
„Afrika fehlt es weder an Bedarf noch an Chancen“, so Aimer. „Die zentrale Aufgabe besteht darin, diese Chancen in investierbare Pipelines zu überführen – mit angemessener Risikoteilung, lokalen Partnerschaften, Kapazitätsaufbau und langfristigen Kapitalstrukturen.“
Lateinamerika: Wachstum bei sauberer Energie
In Lateinamerika und der Karibik sind vor allem die Investitionen in saubere Energie laut IEA im vergangenen Jahrzehnt um knapp 25 Prozent gewachsen und erreichten 2025 einen Wert von 70 Milliarden US-Dollar. In Chile, Kolumbien und Costa Rica haben sich die Investitionen in erneuerbare Energien verdoppelt, während Brasilien mit dem 2024 verabschiedeten „Future Fuel Law“ günstige Rahmenbedingungen für Solarenergie und Bioenergie geschaffen hat.
Dennoch entfallen auf die Region nur fünf Prozent der weltweit privat finanzierten Investitionen in saubere Energie. Als wesentliche Hemmnisse nennt die IEA hohe Zinssätze, einen Mangel an langfristiger Finanzierung sowie steigende Kosten für den Schuldendienst. Bemerkenswert ist zudem die Rolle der Region bei kritischen Rohstoffen: Seit 2015 sind 45 Milliarden US-Dollar an Greenfield-Investitionen in den Kupfer- und Lithiumbergbau geflossen, wobei Chile, Brasilien, Argentinien, Peru, Panama und Ecuador als Hauptempfänger identifiziert wurden.
Von Kapitalverfügbarkeit zu Investierbarkeit
„Wäre die Herausforderung einfach ein Mangel an Kapital, läge die Antwort in der Kapitalbeschaffung. Geht es aber um Investierbarkeit, braucht es eine strategischere Antwort“, sagt Aimer. „Nötig sind die Anbahnung von Investitionen vor Ort, stärkere Finanzintermediäre, bessere Daten, glaubwürdige Wirkungsmessung, Mechanismen zur Risikoteilung, Versicherungslösungen, Garantien, Blended-Finance-Strukturen sowie eine sorgfältige Berücksichtigung des Lokalwährungsrisikos.“
Ausblick
„Die Aufgabe besteht nun darin, von der Erkenntnis der Bedeutung von Emerging Markets zum Aufbau der Strukturen überzugehen, die Klimainvestitionen in diesen Regionen skalierbar, diszipliniert und investierbar machen“, sagt Aimer. „Die Zukunft der Klimafinanzierung wird sich nicht allein in den Märkten entscheiden, in denen Kapital aufgenommen wird. Sie wird sich in den Märkten entscheiden, in denen Resilienz, Transformation und Wachstum finanziert werden müssen. Zunehmend weist dies auf Afrika und Lateinamerika hin.“
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