Moventum: Eine Insel als Klumpenrisiko

Die verschärfte Rivalität zwischen den USA und der Volksrepublik China prägt das globale Geschehen, politisch wie ökonomisch. Noch läuft der Gegensatz vor allem über die Handelspolitik. Eine militärische Auseinandersetzung ist aber nicht mehr ausgeschlossen. Im Brennpunkt: Taiwan. Peking erhöht derzeit den Druck, die USA reagieren zögerlich. „Eine Taiwan-Krise ist eines der größten Risiken für die globalen Finanzmärkte“, warnt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.

China treibt seinen Anspruch voran, den Schiffsverkehr rund um Taiwan zu kontrollieren. US-Geheimdienste gehen davon aus, dass die Volksbefreiungsarmee spätestens 2027 für Maßnahmen gegen Taiwan einsatzbereit sein könnte. „Eine Eskalation könnte Chinas Präsident Xi Jinping besonders mit Blick auf die taiwanesische Präsidentschaftswahl im Januar 2028 in den Blick nehmen“, so Fischer.

Der Druck auf Taiwan ist bereits zur neuen Normalität geworden. Chinas Küstenwache kontaktiert Schiffe in internationalen Gewässern und verlangt Angaben zu Herkunfts- und Zielhafen. Zusammen mit Militärübungen, Luftraumverletzungen und Cyberangriffen entsteht ein permanenter psychologischer Druck, der Taiwan zermürben soll. „Pekings Ziel ist offenbar kein klassischer militärischer Schlag, sondern ein Sieg unterhalb der Kriegsschwelle“, erklärt Fischer. Die taiwanische Bevölkerung soll entmutigt und zugleich Zweifel an der Verlässlichkeit der US-Sicherheitsgarantie gesät werden. Mit seinen 73 Jahren dürfte Xi zudem ein engeres strategisches Zeitfenster vor Augen haben.

Ein Fokus liegt auf der Präsidentschaftswahl 2028 in Taiwan. Ob Amtsinhaber Lai Ching-te wiedergewählt wird oder mit Cheng Li-wun eine China-freundlichere KMT-Kandidatin antritt – in beiden Fällen dürfte Taiwans Kurs aus Sicht Pekings vorsichtig bleiben. „Sollte sich die Frustration über ausbleibende politische Zugeständnisse verstärken“, so Fischer, „könnte China den Druck weiter erhöhen.

Ein mögliches Instrument ist eine „Zollquarantäne“: Statt einer Invasion könnte Peking Luft- und Schiffsverkehr nach Taiwan behindern und eine Abfertigung über das Festland erzwingen. Eine solche wirtschaftliche Abriegelung wäre für die USA schwer zu durchbrechen, ohne zugleich das Risiko einer unkontrollierten Eskalation einzugehen. „Washington wirkt nur unzureichend vorbereitet auf ein solches Szenario“, sagt Fischer. Verzögerte Waffenlieferungen an Taipeh, der Fokus auf Invasionsszenarien statt Grauzonen-Strategien und ein US-Wahlkampf im kritischen Zeitraum Anfang 2028 könnten für Peking ein günstiges Zeitfenster eröffnen.

Für Anleger wäre eine verschärfte Taiwan-Krise hochrelevant. Taiwan produziert einen großen Teil der weltweit modernsten Chips und steht für ein Fünftel bis ein Viertel der globalen Halbleiterproduktion. Ein Konflikt würde die Lieferketten der Technologiebranche empfindlich treffen und das geopolitische Klumpenrisiko in Portfolios deutlich erhöhen. Fischer: „Wer stark auf Technologiewerte mit Taiwan-Exposure setzt, sollte Diversifikation, alternative Halbleiterstandorte und geopolitische Absicherungsstrategien stärker berücksichtigen. Entscheidend bleibt, ob glaubwürdige Abschreckung und Diplomatie verhindern, dass aus strategischer Stabilität eine offene Krise wird, die die ganze Weltwirtschaft treffen könnte.“

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