Ressourcenschonendes Wirtschaften ist längst nicht nur mehr ein Umweltthema. Steigende Rohstoffkosten, gefährdete Lieferketten und geopolitische Konflikte um kritische Rohstoffe machen zirkuläres Wirtschaften zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. „Unternehmen, die sich hier gut aufstellen, werden in den kommenden Jahrzehnten zu den Gewinnern zählen“, sagt Thorsten Göbel, Sprecher des Vorstands der Attentium Capital Management AG.
In Deutschland wird der Umgang mit Ressourcen und Abfällen bereits seit 1996 durch das Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen geregelt. Der Ansatz soll Stoffkreisläufe stärken und das Abfallaufkommen verringern. Der ökologische Hintergrund ist unverändert aktuell. Zunehmend rücken jedoch wirtschaftliche Gründe in den Vordergrund, die umso wichtiger werden, je unsicherer die Versorgung mit Ressourcen wird. „Kreislaufwirtschaft ermöglicht es, bestimmte Rohstoffe im eigenen Land zu gewinnen, statt sie von weit her zu importieren“, sagt Göbel.
Unternehmen, die auf zirkuläre Materialkreisläufe setzen, reduzieren ihre Abhängigkeit von einzelnen Herkunftsländern und Zulieferern und sichern damit ihre Handlungsfähigkeit auch in Phasen politischer Unsicherheit. „Solche Krisen nehmen leider eher zu als ab“, so Göbel. Die geopolitische Dimension zeigt sich besonders deutlich bei kritischen Rohstoffen wie Lithium, Nickel oder seltenen Erden, die oft aus wenigen Förderländern stammen. Sie sind Gegenstand internationaler Handelskonflikte und politischer Auseinandersetzungen, zudem Exportbeschränkungen ausgesetzt. „Unternehmen, die auf Recycling, Wiederaufbereitung und die Mehrfachnutzung von Materialien setzen, verringern ihren Bedarf an Primärrohstoffen aus solchen Regionen“, sagt Göbel, „und sichern ihre Versorgung unabhängig von politischen Entwicklungen.“ Damit wird Autonomie zunehmend zu einem eigenständigen Wert, der über die reine Kostensenkung hinausgeht.
Auch regulatorisch verstärkt sich der Druck. Steigende CO2-Abgaben machen Ressourcenschonung wirtschaftlich attraktiver, da weniger Produkte mit geringeren Emissionen neu produziert werden müssen. „Unternehmen, die frühzeitig auf zirkuläre Prozesse umstellen, positionieren sich damit nicht nur ökologisch, sondern verschaffen sich auch einen Vorteil gegenüber künftigen regulatorischen Anforderungen“, sagt Göbel.
Dies macht sich auch bei der Entsorgung bemerkbar: Die Kosten der Abfallentsorgung steigen, insbesondere bei Sonderabfällen. Dagegen werden Waren in einer Kreislaufwirtschaft von Anfang an so entwickelt, dass möglichst wenig Abfall entsteht. „Damit sind sie tendenziell langlebig, reparierbar und gut trennbar“, sagt Göbel. „Was sich aufbereiten lässt, bleibt im Wirtschaftskreislauf und schafft dort zusätzliche Wertschöpfung.“
Am stärksten dürften Unternehmen profitieren, die ihr Geschäftsmodell frühzeitig auf die Anforderungen der Kreislaufwirtschaft ausrichten. Dazu zählen Produktion und Logistik, die auf Abfallvermeidung ausgelegt sind. Aber auch eine Infrastruktur, die der Kreislaufwirtschaft dient, wie etwa Entsorgungsunternehmen oder Recycler. „Interessant sind dabei Unternehmen, die den Wechsel vom linearen zum zirkulären Wirtschaften bereits vollzogen haben oder die sich mitten in dieser Transformation befinden“, so Göbel.
Insgesamt verschiebt sich also die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft. Stand 1996 der Schutz von Umwelt und Ressourcen im Vordergrund, kommen heute wirtschaftliche Erwägungen hinzu: geringere Abhängigkeit von Rohstoffmärkten und Lieferländern, Kostenvorteile durch Wiederverwendung und Aufbereitung, weniger Abgaben sowie eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber geopolitischen Krisen. „Die Kreislaufwirtschaft entwickelt sich damit von einem ökologischen Anliegen zu einem zentralen Faktor unternehmerischer und wirtschaftspolitischer Sicherheit“, sagt Göbel. „Sie gewinnt als Investmentthema stark an Bedeutung.“

