Trotz der aktuell zahlreichen globalen Unsicherheitsfaktoren können langfristige Anleger optimistisch in die Zukunft blicken. Laut den Experten von J.P. Morgan Asset Management sorgt ein weltweiter Investitionsschub, insbesondere durch Künstlicher Intelligenz (KI) und technologische Innovation, für das beste Wachstumspotenzial der Industrieländer seit 15 Jahren. Das zeigt die aktuell veröffentlichte 31. Ausgabe der „Long-Term Capital Market Assumptions“ (LTCMA) von J.P. Morgan Asset Management. Sie bieten einen umfassenden Ausblick über zehn bis 15 Jahre auf Renditen und Risiken verschiedener Anlageklassen vor dem Hintergrund weiterhin hoher Inflationsunsicherheit und Marktvolatilität.
Diversifikation bietet entscheidenden Mehrwert
Während Engpässe am Arbeitsmarkt und demografische Einschränkungen das langfristige Wachstum belasten, erwarten die Experten, dass die breite KI- Einführung die Gewinne kurzfristig stützen und die Produktivität langfristig steigern wird. So steigt die prognostizierte jährliche Rendite eines auf Euro lautenden Portfolios mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen für die kommenden zehn bis 15 Jahre auf 6,2 Prozent. Da in diesem Zeitraum höhere Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen zu erwarten sind, wird eine stärkere Diversifizierung sinnvoll. Dies lässt sich entweder mit einer breiteren regionalen Streuung der Aktieninvestments oder durch Ergänzung des Portfolios mit alternativen Anlagen wie Real Assets erzielen. So können Anlegerinnen und Anleger, die auf ein erweitertes 60/40-Portfolio mit 30 Prozent diversifizierten alternativen Anlageklassen setzen, die erwartete Rendite auf 7,0 Prozent steigern – zudem erhöht sich die Sharpe Ratio gegenüber einem einfachen 60/40-Ansatz um 21 Prozent.
„Unsere Long-Term Capital Market Assumptions helfen Anlegerinnen und Anlegern, sich in Märkten, die weiterhin durch wirtschaftlichen Nationalismus, beschleunigten technologischen Wandel und eine Neuordnung der Kapitalströme geprägt sind, zu orientierten“, erklärt John Bilton, Global Head of Strategic Research for Multi-Asset Solutions bei J.P. Morgan Asset Management. „Das stärkere langfristige Wachstum sowie neue Möglichkeiten, widerstandsfähige Portfolios durch Diversifikation zu gestalten, ermöglichen differenzierte Renditen und besseren Inflationsschutz, zieht Bilton ein positives Fazit.
Kapitalmarktstratege Tilmann Galler ergänzt: „Die Weltwirtschaft steht vor einem starken Investitionszyklus. Die Einführung von KI und steigende Produktivität stützen die Wachstumsaussichten. Gleichzeitig deutet demografische Gegenwind verbunden mit hohen Staatsdefizite und einem komplexeren geopolitischen Umfeld darauf hin, dass die Inflation in unserem Prognosezeitraum volatiler bleibt.“
„Die LTCMA bilden jedes Jahr die Grundlage für unsere Portfoliokonstruktion – und in diesem Jahr ist das wichtiger denn je. Rendite ist wichtig, aber die Optimierung von Risiko und Rendite ist unerlässlich. Mit einer größeren Streuung als seit Jahren finden aktive Anleger ein attraktiveres Umfeld vor, als es die Schlagzeilen vermuten lassen, betont Grace Peters, Global Co-Head of Investment Strategy bei J.P. Morgan Private Bank.”
Zentrale Erkenntnisse der Long Term Capital Market Assumptions 2027 im Überblick:
- Drei Kräfte prägen die Zukunft: Wirtschaftlicher Nationalismus fördert inländische Investitionen, birgt aber Inflationsrisiken. Technologischer Fortschritt stärkt die globale Wirtschaft durch Investitionen und Produktivitätszuwächse. Steigende Inlandsinvestitionen führen zu einer Neuordnung der Kapitalströme.
- Bestes Wachstumspotenzial in Industrieländern seit 15 Jahren: Die Studie prognostiziert einen globalen Investitionsschub, getragen von KI, der bis 2040 die gesamtwirtschaftliche Produktivität um 50 Prozent auf 120 Basispunkte steigert. Das US-BIP-Wachstum wird auf 2,1 Prozent (real) und das nominale Wachstum in Industrieländern auf 4,2 Prozent geschätzt – das günstigste Verhältnis von BIP zu Inflation seit der Pandemie.
- Aufwertung von US-Aktien, Renaissance der Anleihen und erstmals Bitcoin im Fokus: Gewinnmargen von über 15 Prozent heben die Prognose für US-Large-Cap-Aktien um 80 Basispunkte auf 7,0 Prozent (in Euro) an, Eurozonen-Large-Cap-Aktien liegen sogar bei 7,6 Prozent. Damit übertreffen entwickelte Märkte erstmals die Schwellenländer mit 6,6 Prozent. Höhere Realrenditen treiben die Prognose für globale Anleihen von 2,1 Prozent (2021) auf 4,8 Prozent – den höchsten Stand seit 20 Jahren. Erstmals wird eine Bandbreite für Bitcoin-Renditen ausgewiesen, jedoch aufgrund der sehr hohen Volatilität nicht in der Allokation berücksichtigt.
- Alternative Anlageklassen als Rendite- und Diversifikationstreiber: Höhere Inflationsvolatilität, Währungsrisiken und Chancen auf aktive Alpha-Generierung unterstreichen die Bedeutung von Real Assets und Private Markets. Die Prognose für diversifizierte Hedgefonds steigt um 140 Basispunkte, Sachwerte bleiben angesichts anhaltender Inflationsvolatilität attraktiv.
Jährliche Renditeannahmen über die nächsten zehn bis 15 Jahre:
Anleihen
- Für US-Staatsanleihen mit mittlerer Laufzeit wird eine US-Dollar Rendite von 4,6 Prozent pro Jahr erwartet, da höhere Annahmen für Geldmarktzinsen und wieder aufgebaute Laufzeitprämien die langfristigen Renditen anheben. Für europäische Staatsanleihen steigen die Renditeerwartungen von 3,4 auf 4,2 Prozent.
- Für US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating wird eine US-Dollar Rendite von 6,1 Prozent prognostiziert. Der Anstieg ist vor allem auf höhere Basiszinssätze und ein größeres Emissionsvolumen von Investment-Grade-Anleihen durch Hyperscaler zurückzuführen.
- Für US-Hochzinsanleihen wird eine Rendite von 6,7 Prozent erwartet, nach zuvor 6,1 Prozent. Grundlage sind ein Fair-Value-Spread von 440 Basispunkten und eine verbesserte Indexqualität. Die Erwartungen für Euro High Yield Bonds steigen von 3,4 auf 4,2 Prozent.
- Globale Aggregate Bonds gehedged in Euro legen laut der Prognosen 90 Basispunkte zu auf 4,4 Prozent, währen Euro Aggregate Bonds von 3,6 auf 4,3 Prozent steigen.
Aktien
- Für US-amerikanische Large-Cap-Aktien wird eine Rendite von 7,0 Prozent pro Jahr erwartet – das ist eine Steigerung um 90 Basispunkte. Dies spiegelt die fortschreitende Technologieeinführung und Produktivitätsgewinne wider; zugleich bleiben hohe Ausgangsbewertungen und Konzentrationsrisiken wichtige Aspekte.
- Europäische Large Caps liegen mit 7,6 Prozent sogar deutlich höher, ein Zuwachs um 40 Basispunkte zum Vorjahr.
- Für globale Aktien wird eine Rendite von 7,0 Prozent in Euro prognostiziert, nach zuvor 6,4 Prozent. Märkte außerhalb der USA bieten eine breitere Diversifizierung und profitieren von einer anhaltenden, wenn auch langsameren Abwertung des US-Dollars.
- Für Aktien aus Schwellenländern wird eine Rendite von 6,6 Prozent in Euro erwartet. Dies liegt unter dem Vorjahreswert von 7,2 Prozent, da sich die jüngste Margenexplosion durch KI und Investitionsausgaben normalisiert.
Alternative Anlagen
- Private Equity: Die Renditeannahme für Private Equity in Euro beträgt 9,3 Prozent pro Jahr (nach 9,6 Prozent im Vorjahr). Der leichte Rückgang spiegelt wider, dass das Renditepotenzial von wiederholbarer Wertschöpfung und der Identifizierung operativer Effizienzpotenziale abhängt, einschließlich des Einsatzes von KI in Portfoliounternehmen.
- Immobilien: Für US-Core-Immobilien wird eine US-Dollar Rendite von 8,1 Prozent erwartet, ein leichter Rückgang vor dem Hintergrund höherer Zinsen. Für europäische Core-Immobilien wird eine Rendite von 6,6 Prozent in Euro prognostiziert, nach 6,3 Prozent im Vorjahr.
- Infrastruktur: Für globale Core-Infrastruktur wird eine Euro-Rendite von 6,6 Prozent prognostiziert. Ein leichter Rückgang, da eine Neuordnung der Lieferketten, angesichts der Rückverlagerung der Produktion, die Industrieproduktion voraussichtlich steigern und Transportanlagen zugutekommen dürfte. Transport als Untersegment von Infrastruktur hat entsprechend Euro-Prognosen von 7,6 Prozent p.a.-
- Rohstoffe: Die Renditeannahme für einen breit diversifizierten Rohstoffkorb steigt auf 4,3 Prozent in Euro. Der Zugang zu kritischen Mineralien bleibt begrenzt, und geopolitische Risiken beeinflussen den Ausblick. Gold bleibt unverändert bei einer Rendite von 5,0 Prozent in Euro.
- Waldinvestments: Für globale Waldinvestments wird eine Rendite von 5,7 Prozent in Euro erwartet; ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr.
- Hedgefonds: Für diversifizierte Hedgefonds wird eine Rendite von 6,2 Prozent in Euro prognostiziert, nach 4,7 Prozent im Vorjahr. Dies spiegelt höhere Alpha-Schätzungen wider.
Tilmann Galler hat den Langfristausblick bei einer Webkonferenz vorgestellt – hier geht es zur Aufzeichnung: https://am.jpmorgan.com/de/de/asset-management/protected/adv/resources/webcast/?id=1777589&tp_key=cc2d72684c

